Auto abschaffen – Was macht daran Angst?

Gelassen spricht die Verkehrssenatorin einen visionären Satz aus uns schon stürmen Autofahrer mit Fackeln und Forken los, als sei ab morgen das Autofahren für sie verboten.
Ihre heilige Kuh, die Ganzkörperprothese Auto, ist für viele „unverzichtbar“.

Was hat Sie denn gesagt?

Wir möchten, dass die Menschen ihr Auto abschaffen.

Regine Günther, Verkehrssenatorin Berlin

Na klar ist das auf den ersten Blick eine kernige Aussage, die aber auch im Kern schon klar stellt, dass hier kein Zwang besteht:
Man möchte dass Menschen sich gegen ihr eigenes Auto entscheiden und dafür ein oder mehrere andere Verkehrsmittel nutzen.
Von irgendeiner Enteignung, die Autobesitzer permanent befürchten zu scheinen, steht da nix. einfach auch mal lesen, was geschrieben steht könnte da helfen.

Was nicht gemeint ist…

Sofort findet man überall Kommentare, die keinen echten Sachzusammenhang mit dem Plan Berlin wieder lebenswerter und die Verkehrssituation zu entspannen haben:
Kommentatoren, die im Kuhkaff XY leben, konstatieren, dass man dort ohne Auto verhungern würde und die Menschheit deshalb in die Steinzeit zurück fiele.
Tut mir leid für euch, aber um euch ging es hier auch einfach nicht!

Aber ihr werdet auch die Ersten sein, die sich freuen, wenn die letzten 10 km in der Stadt, in der euer Arbeitsplatz liegt, nicht mehr so lange dauern wie die 50 km davor!
Ihr wolltet zum Teil ja da raus ziehen, ein Haus bauen um eure Kinder vor dem Verkehr der Stadt zu schützen und nun sind auch sie Sklaven eurer Entscheidung, weil sie nirgends hinkommen, ohne dass ihr sie fahren müsst. Bravo!

Auch nicht gemeint sind jene, die auf Grund irgendeiner Einschränkung nur schlecht oder schwierig anders voran kämen und schon gar nicht jene die das Auto aus beruflicher Sicht brauchen.
Allerdings bedeutet „brauchen“ hier auch mehr als nur den Weg zur Arbeit damit zurück zu legen und das Auto dann da 8 Stunden vor der Tür hinzustellen.

Was ist gemeint?

Ich lebe am Stadtrand. Meine Arbeit liegt im Stadtzentrum.
Mit dem Rad sind das 17 km pro Strecke und es ist völlig klar, dass nicht jeder so fit und sportlich und radbegeistert ist, dass man das andauern machen könnte.
Dennoch ist für mich (selbst wenn ich eines besäße) das Auto auch keine Alternative, denn es brächte nur zu Uhrzeiten Vorteile, an denen ich weder arbeiten möchte noch (Gleitzeit sei Dank!) arbeiten muss.

In der derzeitigen Verkehrssituation müsste ich recht früh mit dem Auto zur Arbeit fahren um nicht im Stau zu landen und einen angemessenen Parkplatz zu finden, wenn ich das Auto benutzte.
Bei meinen Kollegen erlebe ich täglich, dass sie durch ihr Gerät der „Freiheit zu fahren wann immer ich will“ offenbar an bestimmte Zeiten gefesselt sind und, überzeichnet ausgedrückt, hektische Flecken bekommen, wenn sie nicht in der Zeit liegen oder irgendwo ein Unfall ist, der einen zusätzlichen Stau verursacht.

Woher ich das weiß? Autofahrer reden jeden Tag darüber und bedauern sich gegenseitig, wenn der gefundene Parkplatz mal 100 m weiter weg liegt…

Ich wechsele zwischen Rad un ÖPNV. Ganz nach Lust und Laune, körperlicher Form, manchmal auch nach Wetter.
Ich mache das, weil ich es kann. Es ist meine tatsächliche Freiheit und sie ist nicht von einem Zeitfenster abhängig. Beides dauert etwa gleich lang, wobei 10-15 min Zeitunterschied für mich keinen Unterschied darstellen, denn manchmal nehme ich mir einfach die Zeit um unterwegs z.B. einfach mal den Sonnenaufgang zu fotografieren oder an einer besonderen Bäckerei längsseits zu gehen.

Ich kann das, weil ich am Rande einer Stadt lebe, die zwar derzeit nicht zu 100% perfekt mit ÖPNV ausgestattet ist, aber angemessen genug für mich.

Wenn man nun den ÖPNV und andere Moblitätsoptionen ausbaut, wird es vielleicht noch mehr Stadt-Menschen geben, die sich nicht für die Auto-Nutzung entscheiden. Wir sind gemeint!

Der Beissreflex

Der Autofahrer hat es nicht leicht:
Das Auto muss meist finanziert werden, die Kreditrate drückt und die Unterhaltskosten werden auch nicht kleiner.
Dazu ist man vielleicht noch vom Autohersteller beschissen worden und die Regierung lässt den Betrug einfach durchgehen.
Nie findet man einen Parkplatz und alle hacken auf einem rum bloß weil man mal 5 min (real 30) in zweiter Spur parkt.
Dabei zahlt man doch Steuern!

Niemand hat euch gezwungen Auto zu fahren.
Es war allenfalls der Zwang eurer eigenen Bequemlichkeit, das Darstellen eures „Status“ innerhalb der Menschheit oder weil „alle“ eins haben oder (seltener) es womöglich tatsächlich notwendig war.
Ihr habt gedacht, ihr könntet immer und überall hin, doch irgendwie stimmt das nicht so ganz.
Gebührenpflichtige Parkplätze und Parkhäuser stehen leer, weil ihr meint es sei euer Recht euer privates Eigentum irgendwo auf öffentlichem Gelände abzustellen.

Klar, dass man dabei Magengeschwüre bekommen muss!
Wer die Welt nur noch vom Auto aus sieht, nimmt sie nicht mehr wirklich war. Daher kommt der Beissreflex.

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

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