Bahn verspätet – Komplizierte Formulare?

Politik neigt ja immer zu einem gewissen Aktionismus. Ja, eine verspätete Bahn kann zum Drama werden, aber das Formular haben diejenigen, die hier Forderungen stellen, wohl noch nie gesehen.

Umständlicher Vorgang?

Bisher ist es für Bahnkunden aber recht umständlich, einen Antrag auf Entschädigung zu stellen. Sie müssen ein Formular ausfüllen, es in einem Reisezentrum abgeben oder per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte in Frankfurt am Main schicken.

Bahnkunden können Anträge bald digital stellen, Golem.de

Das angesprochene Formular besteht aus zwei Blatt Papier, beidseitig ausgedruckt ist es nur eine Seite.
Dazu muss man dann noch den Fahrschein beipacken. Falls man den Online gekauft hat, muss man ihn halt mal ausdrucken.

Offenbar ist es aber heutzutage „umständlich“ mal was in die Post zu werfen, denn der Rest des Prozesses läuft ja völlig ohne weitere Beteiligung:
Nach durchschnittlich 14 Tagen, so meine persönliche Erfahrung, erhält man einen Brief mit der Entschädigungshöhe und der Begründung der Entscheidung. Fertig.

Zukünftig online

Die Bahn selbst ist es, die nun das Verfahren verschlanken möchte und ein Online-Portal dafür zur Verfügung stellen möchten:

Es ist verständlich, dass das derzeitig praktizierte Entschädigungsverfahren von unseren Kunden als nicht mehr zeitgemäß empfunden wird und diese sich einfache Lösungen wünschen.

Deutsche Bahn gegenüber dpa

Das wird aber das Formular nicht abschaffen, sondern zuerst einmal elektronisch zur Verfügung stellen, denn Angaben zur Person und zum genutzten Ticket müssen ja noch immer beigesteuert werden.

Wer nämlich sein Ticket am Schalter, Automaten oder auch beim Schaffner gekauft hat, der wird, solange keine BahnCard im Spiel ist, ja auch nicht weiter elektronisch erfasst und das System wüsste also gar nicht, welcher Fahrschein zu wem gehört.

„Einfacher“ wird es also für so einige Menschen deshalb nicht werden, nur für jene, die dort alles elektronisch machen.
Elektronisch bedeutet eben auch nicht immer besser und schneller.
Es verhindert auch nicht den Beratungsbedarf, den vielleicht ältere Menschen oder Menschen mit Einschränkungen haben, denen man schlicht im Fahrgastzentrum beim Ausfüllen helfen muss.

Trotzdem ist es natürlich toll, wenn man das dann auch auf diesem elektronischen Wege erledigen kann und das am Ende hoffentlich auch gleich in der „Fahrgast-Navigator-App“ erledigen kann.

Mehr Pünktlichkeit durch Druck ?

Wir werden die Fahrgastrechte stärken müssen – bei der Bahn, aber auch im Luftverkehr. Das wäre ein Anreiz für mehr Pünktlichkeit.

Andreas Scheuer gegenüber Redaktionsnetzwerk Deutschland

Der „Bundesverkehrsminister“ Andreas Scheuer hat allerdings Unrecht mit der Annahme, dass dann die Züge pünktlicher kommen, weil man sonst ja so viel Entschädigung zahlen müsste.
Vielmehr sind die Fehler systemisch in der fehlgeleiteten Auto-Verkehrspolitik des Bundesministeriums angelegt:
Kaputte Strecken, keine Investitionen, zu wenig Züge und Mitarbeiter sind die Symptome einer Sparpolitik zu Gunsten des Auto- und Flugverkehrs, die physikalische Schranken für die Pünktlichkeit geschaffen haben, egal wie viele Menschen dafür entschädigt werden.

Aber klingt für ihn natürlich toll, wenn man sagen kann, man habe ja was unternommen.
Das Verkehrsministerium versucht uns aber bloß mit seiner Schwarmdummheit zu blenden. Es steckt nix dahinter.

Immer auf die Bahn?

Nochmal: Verspätungen sind Mist und sollen vermieden werden!

Aber wie viele Autofahrten oder Fernbusfahrten z. B. von Berlin nach Hamburg enden in einem exakten 5-Minuten-Fenster genau am beschriebenen Zielort?

Mit dem Zug bin ich schon sehr häufig exakt und pünktlich z.B. in Hamburg angekommen.
Mit dem Fernbus, bei Einhaltung der 5-Minuten-Definition, bin allerdings noch nie pünktlich am ZOB in Hamburg angekommen, geschweige denn von dort aus pünktlich losgefahren.

Darüber sollten all jene mal nachdenken, die nur zu gerne über die Bahn meckern:
Das jeder vierte Fernzug verspätet war, heißt nämlich auch, dass 75% aller Fernzug-Fahrten kreuz und quer durch die Republik pünktlich waren, was man auf dem Weg von München nach Hamburg erst einmal mit irgendeinem Verkehrsmittel nachmachen muss…

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

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