Autoverkehr – Der Tinnitus unserer Zeit

Der Autoverkehr ist in unserer Welt heutzutage allgegenwärtig: Es gibt kaum noch Oasen der Stille in denen man nicht doch noch irgendwo das Grundrauschen einer Straße oder Autobahn hört.

Alles wird geopfert

Wer ein Auto fährt, nimmt den Lärm seines eigenen Wagens zumindest beim Fahren nicht so wahr, wie die Menschen, ob sie nun selber ein Auto besitzen oder nicht, durch deren Lebensraum er gerade entlang brettert.

Die Menschen haben ihren Lebensraum dem Verkehr untergeordnet. Der Platz, die Gefahren, Der Lärm die Verschmutzung müssen letztlich alle ertragen. Niemand wird gefragt, ob ihm der Lärm des Ferienfliegers am Sonntag jetzt angenehm wäre oder nicht.
Kein Autofahrer schert sich drum, ob die Leute die um ihn herum Leben gerade ihrer Ruhe wollen: Der Bekannte am Straßenrand wird trotzdem per Hupe alarmiert, die Musik im Auto auf Anschlag hochgedreht.

Unzählige Hektar unseres Landes werden, weil es ja sein muss, in Autobahnen, Parkplätze, Flughäfen verwandelt.
Selbst der stille Wald braucht einen Parkplatz, damit vom Lärm gestresste Autofahrer am Wochenende eine ruhigen Platz zur Erholung finden.

Kinder können heutzutage nicht mehr einfach draußen spielen, denn da tobt der Verkehr.
Fenster bleiben geschlossen, weil man sonst im Wohnzimmer sein eigenes Wort nicht mehr versteht.

Alljährlich sterben noch immer mehrere tausend Menschen im Verkehr.
Handelte es sich dabei um irgendeine Infektionskrankheit, würden alarmierte Fernsehberichte und Forderungen nach Verbesserung in den Medien die Massen ständig bewegen.

Warum tun wir uns das an?

Verkehr ist die größte Lärmquelle, er vermindert die Leistungsfähigkeit und verursacht auf Dauer Herz- und Kreislauferkrankungen. Die Zukunft möchte man sich so eigentlich nicht vorstellen.

Mehr Hiddensee, Silke Mertens taz.de

Seit 1937 ist es per StVO verboten als Fußgänger einfach so über die Straße zu gehen oder auf ihr zu laufen. Man darf sie nur noch auf dem kürzesten Wege überqueren.

Das hat das Leben grundsätzlich verändert, weil Menschen nun nicht mehr einfach vor der Haustür auf der Straße mit anderen Menschen interagieren konnten, wie es vorher der Fall war.
Der Platz und der Freiraum war nun weg.

Der Witz daran ist, dass dies zwar marginal geschah um die Menschen vor dem Tod durch Autofahrende zu schützen (eigentlich war es nur neine Priorisierung des Autoverkehrs), sie aber genaugenommen zu neuem Verkehr machte, in dem sie dessen Risiken teilen müssen:

Man musste nun in den etwas weiter entfernten Park oder nun noch zwingender einen Ausflug irgendwohin planen, um seine Erholung zu finden und wurde nun zu Fuß oder mit welchem Verkehrsmittel auch sonst, zum Verkehrsteilnehmer.
Immer mehr davon wählen das Auto und nun gibt es am Wochenende so manchen Verkehrsstau dort, wo man eigentlich Ruhe finden wollte.

Autofrei leben

Gleich vorneweg:
Natürlich gibt es eine (sehr) wenige Anlässe und Umstände für die das private Auto derzeit als einzige Lösung zur Verfügung zu stehen scheint.
Dennoch transportieren die meisten vor allem sich und und ihre Stullenbox und sehr viele davon über eine Entfernung, die Menschen früher auch klaglos zu Fuß gegangen wären.

Warum also organisieren wir nicht einmal unsere eigenen Wohnquartiere ohne Auto? Warum stehen vor manchem Haus gleich 3 Autos und verwandeln den Vorgarten in eine Blechwüste?

Vorbilder dafür gibt es inzwischen auch überall auf der Welt und auch schon seit vielen Jahren.
Als Beispiel sei hier einmal die schwedische Stadt Hammarby angeführt, die eigentlich mal ein olympisches Dorf werden sollte und stattdessen (zum Glück) zu einer weltweit bewunderten Ökostadt mutierte, deren Planungen bereits 1990 (!) begonnen haben.

Die Stadt wurde so konstruiert, dass die Einwohner mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit pendeln können. Sie sollen Fahrräder oder Carsharing benutzen und nicht individuell mit dem Auto zur Arbeit fahren.

Grünes Vorbild – Die schwedische Öko-Stadt Hammarby, dw.com

Auch in Deutschland könnten Wohnquartiere ohne direkte Straßenanbindung auskommen, braucht es doch nur ein paar Wege die durch die Feuerwehr/Polizei genutzt werden können und eine oder mehrere Ladezone für Paketdienste und Umzugswagen.
Parken geht auch in Tiefgaragen oder außerhalb der Siedlung.

Ich bin sogar sicher, dass gerade in der heutigen Zeit, viele Menschen sogar genau deswegen hierhin ziehen würden.

Verkehr ungleich Wirtschaft

Verabschieden müsste man sich nur einmal von dem Gedanken, dass Verkehr und Wirtschaft eine Kausalbeziehung darstellen.
Gewerbeverkehr und Wirtschaft haben diese Beziehung, aber nicht der Verkehr im allgemeinen.

So ist in Deutschland der Gewerbeverkehr eindeutig ein wichtiges Argument, der sich aber nicht etwa aus Freundlichkeit in den Städten an alternativen Transportformen probiert, sondern weil er im Individuellen motorisierten Personenverkehr stecken bleibt.
Der Gewerbeverkehr wäre froh, wenn es weniger Autos auf den Straßen gäbe.

Das ist aber eine Erkenntnis, die sich in Deutschland noch immer nicht durchgesetzt hat, dass es für die Wirtschaft gut wäre, wenn andere Formen des Personenverkehrs deutlich mehr Gewicht bekämen.
Damit ist allerdings nicht das E-Auto gemeint, das am Ende ja 1:1 ebenso im Stau stehen würde, und auch das Carsharing nur bedingt, denn es ist die Zahl der Autos die letztlich besonders im Stadtverkehr zu reduzieren ist, um eben auch der Wirtschaft Kosten zu ersparen und Gewerbetreibenden mehr Einnahmen zu generieren.

Leider bremst derzeit das BMVI derlei Bestrebungen im Dienste der Autolobby, deren Geschäftsmodell sich jedoch zwangsläufig mit den Klimazielen gewaltig ändern wird und muss.

Umdenken? Zu langsam!

Klima, Lärm, Platzverbrauch, Umwelt… Fakten die noch immer bei den wenigsten Menschen bis ins Gehirn gedrungen sind.
Auch nicht der Umstand, dass wir jetzt handeln müssen, wenn unsere Kinder es einmal besser haben sollen… das sollen sie doch, oder?

Ich wäre sogar bereit, etwas weiter als bisher zur Straßenbahn zu laufen, die Internetbestellungen von einer Paketstation abzuholen und mir einen Bollerwagen für die Getränkekästen anzuschaffen. Denn mehr Hiddensee mitten in der Stadt – das kann Zukunft sein.

Grünes Vorbild – Die schwedische Öko-Stadt Hammarby, dw.com

Immerhin ist es bei einigen ja schon angekommen:

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

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