Was uns Autofahren kostet

Autofahren ist nicht nur mit Kosten für den Autofahrenden selbst verbunden, sondern enthält auch einen Anteil von Kosten die zu Lasten aller gehen und den Rahmen dessen, was Autofahrende zum Steuervolumen beitragen, sprengen.

Kosten des Autofahrens

In der allgemeinen Diskussion rund um die Verkehrswende weisen Autofahrende, quasi als Totschlag-Argument, immer wieder darauf hin, dass sie als Autofahrende ja Steuern zahlten und damit „alles bezahlen“.

Gemeint sind damit gemeinhin die KFZ-Steuer und die Mineralölsteuer, zu der die Autofahrenden einen Beitrag leisten.
Man fühlt sich auch oft als „Melkkuh“, weil man für das Parken oder für Ordnungswidrigkeiten noch zusätzlich zur Kasse gebeten wird, wobei letzteres durch schlichtes Einhalten der StVO und ihrer Regelungen ja auch vermieden werden könnte.

Natürlich drücken den Autofahrenden selbst, in Folge seiner Verkehrsmittelwahl, oft auch die Kreditraten des Autokaufs, Versicherungsbeiträge, Mautzahlungen, Werkstatt- und Ersatzteilrechnungen sowie Bezinpreise als unmittelbare Betriebskosten des Fahrzeugs.

Externe Kosten des Autofahrens

Externe Kosten sind Kosten, die der Autofahrende nicht selbst bezahlt, sondern im Grunde unbeteiligten Dritten aufgebürdet werden.

Verzichten wir auf die Betrachtung der Herstellung des Autos und betrachten wir dabei die externen Kosten, die durch das Autofahren an sich erst entstehen, dann geht es um folgende Kosten:

  • Lärm
  • Abgase
  • Ungedeckte Unfallkosten
  • Klimaschäden

Diese Kosten werden nicht vom Nutzer getragen, sondern von anderen Menschen, anderen Ländern und anderen Generationen.

Berlin-Karow Lärmschutz
Wohnsiedlung Berlin-Karow mit Lärmschutz am Berliner Ring, Foto: Peter Wendel

Ungedeckte Unfallkosten

Unfallkosten, so könnte man meinen, werden doch durch die Versicherungen der Unfallteilnehmer reguliert.
Soweit es sich um die Regulierung von Sachschäden geht, stimmt dies auch, aber es gibt auch Unfallkosten, deren Regulierung letztlich der Allgemeinheit aufgebürdet werden:

  • Kosten für Polizei
  • Verwaltung von Infrastrukturen
  • Krankenhaus- und Reha-Kosten
  • Kosten des öffentlichen Gesundheitswesens

Tatsächlich kann ja ein Unfall zur vollkommenen Veränderung der Lebensumstände eines am Unfall Beteiligten führen, die über eigentliche Unfall-Regulierung hinausreichen, weil er vielleicht durch die Folgen lebenslang auf Unterstützung angewiesen ist und etwa der Krankenkasse damit langfristig „auf der Tasche liegt“.

In Summe wäre also auch ein Einfluss auf die Beiträge der Krankenversicherungen möglich, die definitiv durch alle Versicherten getragen werden.

Was kostet es wirklich?

Autofahrer zahlen laut der Studie der TU-Dresden rund 50 Milliarden an KFZ-, Energie- und Mehrwertsteuer jährlich.
Die externen Kosten beliefen sich aber auf insgesamt 90 Milliarden Euro, womit also ca. 40 Milliarden aus unser aller Taschen entnommen werden, ob wir nun Auto fahren oder nicht.

externe_kosten_auto_laender
Externe Kosten für Autos/Jahr (2008) nach Ländern, aus Externe Autokosten in der EU-27 Überblick über existierende Studien, Prof. Dr. Ing. Udo J. Becker, Thilo Becker, Julia Gerlach TU-Dresden

Auffallend für Deutschland sind die sehr hohen Unfall- und Klimakosten die der Autoverkehr in Deutschland verursacht.
Dies Kosten sind in Summe natürlich auch abhängig von der Größe und Bevölkerung eines Landes, was sich in der Grafik leicht an den hohen Balken anderer bevölkerungsreicher Länder wie etwa Frankreich ablesen lässt.

Umgerechnet auf die gesamte EU ergibt sich ein Durchschnitt von rund 750 Euro pro Kopf externer Kosten.
Deutschland, Österreich und Luxemburg haben dagegen die höchsten pro-Kopf-Kosten im Bereich zwischen 1000 und 200 Euro pro Kopf und Jahr.

Fazit

Aus der Betrachtung der Studie lässt sich zunächst also eindeutig festhalten, dass Autofahrer zwar einen großen Steuerbeitrag leisten, jedoch dennoch der Gesellschaft noch zusätzlich rund 40 Milliarden Euro kosten, weil sie das Auto nutzen.

Autofahrende, die sich als Könige der Straße auffassen, sollten also mal etwas demütiger in ihren Äußerungen werden, wenn sie sich ihren Spaß zu einem großen Teil durch die Gesellschaft mit finanzieren lassen.

Zum Vergleich: Im Haushaltplan für 2018 wurden 20,4 Milliarden Euro für das Arbeitslosengeld II (ALGII) und nochmal 6,9 Milliarden für die Bundesbeteiligung an den Wohnkosten der HartzIV-Empfänger angesetzt.

Deren Kosten werden scharf kontrolliert und sanktioniert, die 40 Milliarden externer Kosten des Autoverkehrs sind aber kein Thema der öffentlichen Diskussion.

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

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