Jenseits der Oberbaumbrücke…

Während sich viele daran abarbeiten ob irgendein Streifen zu breit oder zu schmal ist und ob alle Schilder richtig hängen, andere sich über 200 m Protected-Bike-Lane an der Holzmarktstraße freuen, holpert der Rest der Berliner Radfahrenden über fürchterliche Wege jenseits der „Leuchtturmprojekte“.

Plädoyer für mehr Pragmatismus

Natürlich: die Verkehrsführung auf der Oberbaumbrücke während der Bauphase war/ist zu kritisieren und Änderung anzumahnen.
Und ja: Das Polizei und Ordnungsamt nicht handeln kann man auch immer wieder in der Tamara-Danz-Straße durchexerzieren.
Ganz klar: Radschnellwege werden gebraucht, müssen geplant und diskutiert werden.

Abseits des Schlachtenqualms, schon wenige Meter neben all diesen Projekten auf die sich alle Augen richten, liegt der Alltag jener Radfahrenden, die sich auf teilweise in erbärmlichen Zustand befindlichen „optionalen Radwegen“ die Felgen verbiegen und eher selten mal über die Oberbaumbrücke rollen.

Natürlich entsprechen viele dieser Radwege nicht der neuesten Norm und sind deshalb „optional“.
Aber sie sind da, und an vielen Stellen auch immer noch die bessere Lösung, als auf der Fahrbahn daneben im Stau festzuhängen oder sich wahnwitzigen Überholmanövern von Autofahrenden auszusetzen.
Und sie werden genutzt.

Sehr vielen Radfahrenden wäre schon geholfen, wenn man diese Radwege zumindest instand hielte und pflegte.
Dafür muss kein Plan ausgearbeitet und keine Bürgerbefragung durchgeführt werden, denn die Wege sind ja bereits vorhanden und die Arbeiten müssten einfach bloß beauftragt werden…

Schlaglöcher in Straßen werden ja schließlich auch geflickt.

Der Radverkehrs-Anteil der Stadt könnte noch deutlicher und schneller steigen, wenn man pragmatisch das vorhandene Netz wenigstens auch als befahrbar erhielte, bis eine neue, gesetzeskonforme Umsetzung mal irgendwann erfolgt ist.

Zehlendorfer wollen nach Steglitz

So nützt der Radschnellweg von Wannsee an den Funkturm eher Pendlern aus Brandenburg, denn aus den schicken Villen am Wannsee steigt doch eh keiner vom Luxusmobil auf ein Fahrrad um.

Viel interessanter wäre da schon ein Radweg in gutem Zustand zwischen dem Teltower Damm in Zehlendorf-Mitte und der Steglitzer Schloßstraße.
Das ist ein Weg der schon in meiner Steglitzer Kindheit wichtig war, ist doch die Schloßstraße sowas wie der Einkaufstempel des Südens.
Und schon damals gab es beinahe auf kompletter Länge durchaus Radwege, die teilweise aber auch damals schon recht holprig wurden.
Über heute denke ich da mal lieber nicht nach…

Den einfach mal zu sanieren, die weißen Schwellen entfernen, könnte viele Menschen dazu animieren mal das Rad „in die Stadt“ zu benutzen.
Ob er nun schmal oder breit ist, ist dabei nicht mal so erheblich. Er ist ja optional.

Das Asphaltieren des Radweges an der Schönhauser Allee ist da ein gutes Vorbild: Der Radweg ist keinen deut gesetzeskonformer geworden, aber es macht jetzt auch tatsächlich wieder Spaß ihn überhaupt zu benutzen, weil man nicht mehr dauernd auf lose/fehlende Gehwegplatten achten muss.

Plattenklappern in Charlottenburg

Der Radweg am Kaiserdamm/der Bismarckstraße ist auf voller Länge eine gut nutzbare Option und es gab hier auch erste Ansätze von Reparaturen zur Entfernung der klappernden Gehwegplatten. Trotzdem gibt es auf den Überwegen noch zentimeterbreite Längsrillen im Asphalt und ebenso an vielen Ausfahrten.

Komplett durchrepariert ist er ganz sicher ein gutes Provisorium bis es jemand in ferner Zukunft geschafft hat dem Autoverkehr eine ganze Spur mit gesetzeskonformen (benutzungspflichtigen) Radweg abzuluchsen.

Wollankstraße

Der Teil der Wollankstraße, der im Wedding liegt, ist im Berufsverkehr oft zugestaut, was vor allem auch an teilweise nur einer Spur je Richtung auf der Fahrbahn liegt.
Absolut jeder Radfahrende nutzt hier pragmatisch den optionalen Radweg.
Die Alternative wäre sich im Stau auf der Fahrbahn anzustellen, denn ein rechts Vorbeirollen ist definitiv aus Platzgründen nicht möglich.

Doch auch hier klappern Platten, Baumwurzeln brechen durch, manchmal wächst er fast zu.
Eine Instandhaltung wäre auch hier eine gute, pragmatische Lösung, deutlich besser als die Striche, die man in der Residenzstraße aufgemalt hat.

Viel Potenzial

All diese Beispiele verdeutlichen vor allem, das die Umsetzung des Mobilitätsgesetzes in der Stadt auch aus mittelfristigen Provisorien bestehen muss, da man tatsächlich nicht jede Straße mit einem Fingerschnippen umplanen kann.

Doch auch in den alten, jetzt optionalen, Radverkehrsanlagen steckt noch Potenzial zur Steigerung des Radverkehrsanteils, wenn man diese schlicht Instand hält.

Wie soll der Radfahrende denn sonst zu den tollen Radschnellwegen kommen, die hier entstehen werden?

Die Liste dieser Strecken hier ist sicherlich komplett unvollständig und kann bestimmt noch durch viele Abschnitte ergänzt werden .
Sie können dazu beitragen unsere Stadt schon jetzt lebenswerter zu machen, auch wenn sie Provisorien bleiben müssen, denn am Ende werden sie einer „richtigen“ Verkehrsführung weichen müssen.
Irgendwann nach 2030 oder so…

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

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