E-Bike vs. „Bio“-Bike

Ist E-Biking nur was für faule Menschen? Geht der Bewegungseffekt verloren? Wie wirkt sich das auf den Verkehrsmittelmix aus?

Fauler Kompromiss?

Viele Menschen denken eher, dass die Nutzung eines E-Bikes (Pedelecs) eher ein fauler Kompromiss gegenüber der Nutzung eines normalen Fahrrades ist, weil man da ja quasi „vom Motor gefahren wird“.

Auch ich war durchaus dieser Meinung bis ich es mal ausprobiert habe, was letztlich dazu geführt hat, dass ich jetzt zum überwiegenden Teil auf einem E-Bike durch die Stadt fahre.

Was aber bedeutet das in der Realität? Bewege ich mich weniger oder gar anders? Wie verändert das mein Verkehrsverhalten?

Genau das sind die spannenden Fragen, die die hier zitierte Studie (s. Quellenangaben) beantworten möchte.

Mehr Strecke

Es zeigt sich in der Studie, dass Fahrer von Pedelecs offenbar mehr und größere Strecken zurücklegen als die reinen „Bio“-Biker.
Im Schnitt der 18 untersuchten europäischen Studien ergab sich die Tatsache, das Pedelec-Nutzer oft nicht nur einfach das Auto oder das Fahrrad durch Pedelec-Fahrten ersetzen , sondern oft auch gleich auf einen Umstieg in die Öffentlichen Verkehrsmittel verzichten und „durchfahren“.

Pedelec-Fahrer nutzen das Gefährt deutlich häufiger um zur Arbeit zu fahren als Fahrrad-Fahrer.

Das sind Effekte. die ich subjektiv bestätigen kann, denn obwohl ich erst seit wenigen Wochen mit dem Pedelec unterwegs bin, ist eines sehr deutlich:
Mein tägliche Reichweite ist deutlich größer geworden und ich kann diese auch tagtäglich ausnutzen.

Hauptgrund für die Nutzung des Pedelecs ist, wie bei etwa einem Viertel aller Pedelec-Nutzer auch, eine größere Strecke zurücklegen zu können.

Persönlich gleiche ich dazu die Effekte des einen oder anderen medizinischen Zipperleins eines mittlerweile Ü50-Menschen aus, die mit dem Fahrrad verhindern würden, dass ich diese Strecken täglich mit dem Rad absolvieren kann.

Bewegungseffekt ausgeglichen

Durch die größere Reichweite für längere Strecken motiviert, ergeben sich auch kaum Hinweise, dass die Effekte des Pedelec-Fahrens geringer sein könnte als beim Fahrrad.

Da oft eine längere Strecke als mit dem Fahrrad zurückgelegt wird und auch ÖPNV weniger häufig genutzt wird, gleicht sich der Nutzen der Bewegung zum „anstrengenderen“ Fahrrad hier wieder aus.

Natürlich ist der Zugewinn an Bewegung am deutlichsten bei jenen, die vorher gar nicht zu den Radfahrenden gehörten, also z.B. ein Auto benutzten.

Radfahrende, die auf ein Pedelec umsteigen, legen aber auch oft das Fahrrad nicht ab, sondern nutzen es noch immer gelegentlich für die eine oder andere Strecke.

Auch hier lässt sich das von mir subjektiv bestätigen: Das Fahrrad bleibt, wenn auch seltener in Nutzung. Jetzt halt eher für die kleinen Fahrten im Lebensbereich oder die bewusste Freizeitnutzung auf kleineren Touren.

Tatsächlich stellt sich auch mir jetzt eher die Sinnfrage für die ÖPNV-Monatsmarke in den Sommermonaten, die ich jetzt seit Beginn der Pedelec-Nutzung nicht mehr genutzt habe.
Das macht letztlich meinen CO2-Fußabdruck noch etwas kleiner.

Ist es bequemer?

Natürlich ist es bequemer. Das möchte niemand verleugnen. Es ist aber spannend, dass auch hier nur circa ein Viertel der Pedelec-Nutzer angibt, es wegen der größeren Bequemlichkeit zu nutzen.

Ein weiteres Viertel der Nutzer gibt an, dass es vor allem schneller als das vorher bevorzugte Verkehrsmittel sei.
Allerdings ist dieser Unterschied in der Stadt zwischen Pedelec und Fahrrad nicht ganz so gewaltig, weil hier Ampeln und Verkehr ja noch ihren ganz eigenen Einfluss beisteuern.

Aus meiner subjektiven Sicht bin ich auf meinem Berliner Arbeitsweg nicht wirklich schneller mit dem Pedelec als mit dem Fahrrad, aber doch schneller als im ÖPNV-Durchschnitt.
Über den Vergleich zum Auto liegen mir da keine Daten vor, ich nutze ja keins.

Fahrspaß

Ein anderer, vielleicht auch subjektiver Effekt ist der Fahrspaß, der hier in der Studie nicht betrachtet wird:
Der Fahrradfahrer in mir hat auch einfach Spaß an der Fahrt auf dem Pedelec und speziell auf den Feierabend-Routen denke ich mir den einen oder anderen neuen Streckenverlauf aus, weil es auch an heißen Tagen nicht mehr so auf den Kilometer ankommt, der zwischen positiv erschöpft und totaler Erschöpfung liegt, wenn man das Fahrrad nutzt.

Physical activity of electric bicycle users compared to conventional bicycle users and non-cyclists

Vergleich der verschiedenen Radfahrer-Arten in Bezug auf Bewegung und Gesundheit. Meta-Studie

Größe: 660 KB
Version: 2019-06-06

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Ein Gedanke zu „E-Bike vs. „Bio“-Bike

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.





%d Bloggern gefällt das: