„Härtefall“ Parkgebühren

SPD-Fraktionschef Raed Saleh möchte Schichtarbeitern, die auf ihr Auto angewiesen sind, bei den Parkgebühren in der Stadt helfen um „Härtefälle“ zu vermeiden.

Härtefall

Ich mag mit meiner Ansicht daneben liegen, aber ein „Härtefall“ sind für mich z.B. Rentner, die wegen ihrer geringen Rente durch die Straßen ziehen müssen um Pfandflaschen zu sammeln, damit das Geld für das Mittagessen reicht.

Arbeitende Menschen, die sich sogar noch den Unterhalt eines Auto leisten können oder es gar „müssen“ hatte ich dabei noch nie im Fokus.
Menschen mit Arbeitslosengeld II dürfen Autos bis zu einem bestimmten Wert zwar im Regelfall behalten, aber mir wäre neu, dass es dafür Benzingeld gibt.
Das Auto zählt hier in jedem Fall zum Vermögen und nicht zu den Dingen auf die man „angewiesen“ ist, wie etwa eine Waschmaschine.

Warum Parkgebühren?

Natürlich ist es gerecht, dass die Nutzung öffentlichen Straßenlandes in der Größe eines ganzen, durchschnittlichen Kinderzimmers, also das Parken von Autos am Straßenrand, mit einem Preis belegt wird.

Hier stellt sich doch eher die Frage, wieso Mitarbeiter eines Betriebs mit Schichtarbeit überhaupt auf öffentlichen Grund parken müssen und nicht einen Firmenparkplatz nutzen können!

Schon ein Blick in meine Wohnstraße am Stadtrand reicht um zu erkennen, das Firmen gerne das kostenlose öffentliche Land auch zum Abstellen ihrer Firmenfahrzeuge benutzen: Vom Paketdienstauto bis hin zum Tiefbaulaster mit angehängtem Bagger finden sich locker ein Dutzend Fahrzeuge um den Block herum, die damit, weil die Privatautos der Mitarbeiter ja auch hier vor der Tür stehen, schon am Stadtrand den Platzbedarf verdoppeln.

Genau deshalb sind die Anwohner-Parkausweise ja auch sinnvoll.
Hier müssen auch die Firmen deutlich mehr in die Pflicht genommen werden.

Nachtliniennetz

Schon seit vielen Jahren gibt im Berliner Stadtgebiet ein gut funktionierendes Nachtliniennetz.

Es besteht aus allen wichtigen Tageslinien der BVG-Bus, die eine Entsprechung im Nachliniennetz haben (M85 -> N85) und zwar nicht alle 10 Minuten fahren, aber eben doch die ganze Nacht hindurch.
Auch die „M“-Trams in Berlin fahren nachts im 30-Minuten-Takt.

Dazu gesellen sich Busse entlang der U-Bahn-Linien und ein paar andere Nachtbuslinien auf besonderen Routen, die in Außenbezirken durch Haustür-Busse u.ä. ergänzt werden.

Im Stadtgebiet wäre ein solcher Härtefall, wenn es denn andere Menschen gibt, die die Schicht ohne Auto erreichen schon eine kleine Ungerechtigkeit.

Das es ins/vom Umland noch erhebliche Defizite gibt, weiß ich auch, aber für die ist Herr Saleh nicht zuständig, sondern das Land Brandenburg.
Diese zu beheben muss also hier eher das Ziel lauten, als Autofahrenden einmal mehr Subventionen zu gewähren.

Autofahrende nicht mehr pampern

Um die Umwelt-Ziele zu erreichen, weniger Verkehr in der Stadt zu haben und diese wieder zu einem echten Lebensraum für die Menschen zu machen, müssen wir vor allem endlich einmal davon weg Autofahrende immer wieder in Komfort zu pampern und für jedes Gejammer dieser Verkehrsart eine neue Subvention zu erfinden.

Das steigert die Ungerechtigkeit gegenüber allen anderen, die sich jeden Tag zu Fuß, mit Bahn oder ÖPNV mit dem Rad oder mit einer Kombination aus vielen davon zu jeder Tages- oder Nachtzeit den Weg zur Arbeit und zurück erkämpfen!

All diese Menschen sind die wahren Umwelthelden und verdienen Unterstützung und Erleichterungen und nicht jene, die uns Tag um Tag die Stadt verstopfen und den Platz rauben und die Luft verpesten!

Dann endlich, lieber Herr Saleh befinden wir uns auf dem richtigen Weg!
Die derzeitige Forderung macht die SPD für mich auch weiterhin unwählbar, denn ich als überzeugter Nicht-Autofahrer nutze schon ewig nur (und das auch noch vom Stadtrand) das Rad und den ÖPNV und werde dafür von Ihnen immer nur veräppelt…

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

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