Autofreie Zonen: Noch nie gescheitert

Überall wird mit teilweise oder ganz autofreien Zonen experimentiert und überall finden sich Bedenkenträger. Später werden sie es aber mögen.

Geschäftsleute wollen Parkplätze

Ein ewiges Mantra ist dabei das „Mimimi“ beliebiger Geschäftsleute, die befürchten ohne Autos und/oder Parkplätzen fände die Kundschaft nicht mehr zu ihnen und sie würden der spontanen Armut anheim fallen.

Das ist auf mehreren Ebenen schlicht falsch:
Was es definitiv höchst selten bis gar nicht gibt, sind Autofahrende die spontan „Oh, ein Hutgeschäft, da gehe ich jetzt mal bummeln!“ rufen, vor dem Geschäft einparken und eine Stunde entspannt den Laden erforschen und leer kaufen.

Menschen die zu Fuß gehen und Radfahrende sind es, die Geschäfte entdecken. Sie sind flexibel genug einfach mal so in einen Laden zu gehen und diesen zu erforschen.

Richtig ist natürlich, dass sich Autofahrende nur dorthin begeben, wo sie Parkplätze finden.
Sofern man aber nun nicht gerade einen Baumarkt betreibt (die genau deswegen Parkplätze haben), bleibt die Frage: Wie viele Kunden kommen denn eigentlich „nur“ mit dem Auto? Und wünschen sich die Kunden eigentlich mehr Parkplätze oder vielleicht was anderes?

Es scheint so, als seien Kunden eher daran interessiert eine besseres Shoppingerlebnis zu haben, was breitere Fußwege und bessere Läden einschließt. Parkmöglichkeiten sind gar nicht so dringend.

Wie im Tweet oben zu lesen kommen in Graz 44% der Kunden zu Fuß in die Läden und nur 22% mit dem Auto.

Wenn also die Verkaufszahlen davon abhängig sind, das jemand direkt vor der Tür parken kann, dann ist auch mal unter Umständen das Geschäftsmodell zu überdenken oder ob das Gewerbe an dieser Stelle überhaupt Sinn macht.

Das Leben verändert sich

Natürlich verändert ein solches Projekt, ob in Ottensen, der Friedrichstraße oder im Samariterkiez, eingeschliffene Gewohnheiten.
Davon ist so einiges gewollt: Schleichwege schließen, Durchgangsverkehr aussperren, weniger Raum für das Auto.

Das führt zu veränderten Arbeitswegen, neuen Routen beim Einkauf und anderen Dingen, die die tägliche Routine aufbrechen, bis sie nach einiger Zeit wieder zur Gewohnheit geworden sind.

Fast immer formiert sich dagegen Widerstand: Gewerbetreibende sorgen sich um die Erreichbarkeit ihrer Geschäfte, Anwohner um die Nachtruhe wegen lärmender Straßenpartys, Pendler um die gern genutzte Abkürzung. Fast immer ist es dann aber so: Die Bedenken lösen sich in Luft auf, in den Geschäften steigt der Umsatz, die Menschen nutzen die neuen Freiräume.

Erst sind alle dagegen – und dann dafür, Spiegel-Online

Und mal ehrlich: Welcher dieser Umstände erscheint existenzbedrohend?
Wir jammern in Deutschland gerne auf hohem Niveau und das Argument „Ich ziehe da hin weil da überall jede Menge Verkehr herrscht“ habe ich von Wohnungssuchenden auch noch nie gehört.

Es gilt also gelassen zu bleiben, die neuen Umstände aber auch Möglichkeiten erst einmal zu betrachten und ein halbes Jahr später nochmals darüber zu urteilen.

Mir ist kein Projekt dieser Art bekannt, das fehlgeschlagen ist.

Philine Gaffron, Ober-Ingenieurin für Verkehrsplanung und Logistik an der TU Harburg

Wenn etwas an der Veränderung wirklich klemmt, kann man es nämlich dann einfach anpassen, ohne gleich alle anderen Vorteile wieder her zu schenken. Oder möchtet ihr den Verkehr zurück?

Ich jedenfalls würde vor Freude hüpfen, wenn jemand in meinem Kiez eine Diagonalsperre (eine einzige würde reichen) errichtete und so den Feierabend- und Supermarktverkehr zurück auf die Hauptstraße werfen würde.

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

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