Mit dem (deutschen) Auto in den Untergang

Wenn schon Klimakatastrophe, dann aber nur mit dem (deutschen) Auto dahin! Selbst der Wald braucht in Deutschland Parkplätze, sonst findet kein (Auto-)Mensch mehr hin!

An ihr liegt es nicht… nur an euch!

Diese Kollegen

Wir alle kennen sie:
Diese Kollegen und/oder Bekannten die ihr, möglicherweise auch gar nicht mehr deutsches, Auto für den Nabel ihrer Freiheit halten und dort, wo es keine Parkplätze gibt, entweder falsch parken oder erst gar nicht hinfahren.

Die Menschen die morgens auf der Arbeit viel Zeit mit Gesprächen darüber verbringen, wie schlecht sie voran gekommen wären und wie unendlich weit weg sie doch heute erst bei der Parkplatzsuche fündig geworden wären…
Leute die aus dem Büro-Fenster gucken und sobald die Lücke vor dem Haus frei ist, die nächste Raucherpause dazu nutzen das Auto umzuparken, damit man nach Feierabend „nicht so weit laufen muss“.

Gleichzeitig bescheiden sie uns bei jedem Wetter, ob Sonne („viel zu warm, da schwitzt man ja“), keine Sonne („das ist doch kalt, da friert man ja“) oder Regen („da wird man doch nass“), dass jeden Tag zur Arbeit radeln „weltfremd“ sei und schon wegen der hüftkranken Verwandten und den Getränkekisten im Kofferraum nicht ginge und man müsse ja auch noch was erledigen… (mimimimimi….)

Mangelnde Flexibilität

Die Bevorzugung des Autos in der Verkehrspolitik bei gleichzeitigen Einsparungen im ÖPNV-Sektor hat nun dazu geführt das dieses Gerät der Freiheit und angeblichen Flexibilität zum Hemmschuh der menschlichen Entwicklung wird, weil sich viele Menschen einen Alltag ohne Auto nicht mehr vorstellen können und sich zum Sklaven des Gerätes machen.

Es gibt gar nicht so wenige Menschen die jederzeit sagen: „Mit dem Auto kann ich jederzeit überall hin losfahren!“
Doch genau betrachtet greift diese Freiheit, so es sie jemals gab, längst nicht mehr und der Mensch lebt nach seinem Beförderungsmittel und nicht umgekehrt.

Viele Pendler richten ihre Fahrtzeit nach dem täglichen Stau, fahren z.B. sehr früh zur Arbeit um den Stau zu vermeiden oder noch einen Parkplatz am Ziel zu bekommen.
Sie verstopfen auf dem Weg in die Ferien ganze Regionen mit den Ferienstaus in die sie wie die Lemminge hineinfahren oder stehen mitten in der Nacht auf, um genau das zu vermeiden.

Komplett anders als der Rad-Pendler, der, wie ich selbst z.B, einfach aufsteigt und immer in derselben Zeit am Ziel ankommt oder der Bahnfahrer, der trotz aller Schelten mehrheitlich pünktlich ankommt.

Überhaupt wird viel lauter von Autofahrenden auf die 10 Minuten Verspätung der Bahn verwiesen, als zu realisieren, dass der Autofahrende selbst eher selten genau um 14.34 Uhr (oder 10 min später) 500 km weiter pünktlich eintriffen… weil da ja Stau oder Unfall oder beides war…

Deutsche Autos?

Redet man von einer Verkehrswende tun deutsche Autofahrer immer gleich so, als wolle man Autofahren gleich komplett verbieten und Deutschland drohe der Untergang, weil die deutsche Autoindustrie ja so wichtig sei.

Aber wie „deutsch“ sind deutsche Autos denn eigentlich noch?

Ich habe ganz einfach mal vier Konzerne betrachtet, wobei Volkswagen davon ja viele unter seiner Fittiche abdeckt:
Opel gehört ja inzwischen zu einem französischen Konzern, hat aber auch noch deutsche Standorte, doch auch sehr viel mehr Standorte im Ausland.
Die Daimler AG macht das im wesentlichen auch nicht anders.
In der Volkswagen AG finden sich tatsächlich eine Menge deutsche Standorte, darunter eben auch jene von Audi und Porsche.

Bei Porsche wird in Deutschland aber oft gar kein Auto mehr zusammengeschraubt, sondern es werden z.B. Beratungs-Dienstleistungen angeboten.

Kurzum: Ja natürlich wird in Deutschland noch ein Auto hergestellt, aber keiner baut mehr die gesamte Produktpalette hier und selbst im hier hergestellten Auto gibt es Komponenten, die längst von Auslands-Töchtern geliefert werden.

So sieht das durchaus bei allen Auto-Konzernen aus, Toyota in Japan macht das auch nicht anders. Und die verkaufen hierzulande auch eine Menge Autos…

Verscheißert von der Industrie

Was aber funktioniert, wird in Deutschland gemacht: Z.B. der Mist verkauft, den man woanders bei strengeren Regelungen nicht los wird.

Das waren früher z.B. Autos mit Katalysator, die man für die USA schon jahrelang herstellte, aber in Deutschland behauptete, man könne sie gar nicht so bauen, wie es den europäischen (lascheren) Regeln entspräche.

Die Fortsetzung kennen wir als Diesel- und Abgas-Skandal, den man noch nicht mal in Deutschland sondern in den USA zuerst aufspürte, die ja nun gerade nicht als das Umwelt-Vorzeigeland gelten.

Dort übrigens gab es 1990 in Kalifornien schon E-Autos, die sogar Erfolg hatten, aber unter dem Druck der Erdöl-Lobby wieder eingesammelt und vernichtet wurden.

In Norwegen verkaufen sich Elektro- oder Hybrid-Autos wie geschnitten Brot und machen mehr als die Hälfte der Neuzulassungen aus, während man hier den Kunden/dem Staat was von langen Lieferzeiten und mangelnder Verfügbarkeit und Infrastruktur erzählt und um staatliche Förderung bettelt.

Boom-Industrien

Daneben gibt es aber einen Boom: Den in der Fahrrad-Industrie, der nicht nur den Verkauf von Rädern betrifft, sondern sich auch in vielen deutschen Rad-Schmieden quer durchs Land widerspiegelt.
Auch in der Fahrrad-Technik spielt Deutschland international eine gute Rolle, wobei vor allem Bosch zu nennen ist, die – ohne jede staatliche Subvention – die Produktion von Pedelec-Motoren und Akkus gewinnbringend für sich entdeckt haben.

In der Solarbranche arbeiteten 2012, als der Ausbau von Photovoltaik-Anlagen in Deutschland noch flächendeckend gefördert wurde, 120000 Beschäftigte und das halbierte sich 2013 nach Förderungsende auf etwa 56000 Beschäftigte.
Heute werden Solaranlagen aus China importiert.

In der Herstellung und dem Bau von Windanlagen, einer Zukunftstechnologie, sind in Deutschland 2019 ebenfalls Arbeitsplätze verschwunden, weil die Regierung hier weder einheitliche Regelungen noch Förderungen zur Stützung unternommen hat:

Die Zahlen sind bestürzend: In nur einem Jahr sind in der Windindustrie insgesamt 26.000 Arbeitsplätze abgebaut worden und damit mehr, als insgesamt in der Braunkohle beschäftigt sind!

Lorenz Gösta Beutin, Klima- und Energiepolitiker der Linke-Fraktion

Derweil steckt man hunderte Millionen in die Rettung von 3500 Arbeitsplätzen eines Ferienfliegers und Milliarden in die Zukunft der Lausitzer Braunkohle-Arbeiter.
Zukunftsweisend ist das nicht.

Es wird nicht klappen!

Es wird nicht klappen an antiquierten Auto-Vorstellungen fest zu halten, die Glühbirne zu behalten und niemandem weh zu tun, wenn wir unsere Probleme lösen wollen!

Klar könnte man die Welt in fünfzig Gruppen einteilen, die nur 2% der globalen Emissionen verursacht – folgt daraus dann, dass niemand etwas machen muss?

Stefan Rahmstorf, Klimaforscher

Deutschland muss massiv den Ausbau erneuerbarer Energien und damit ihrer Unternehmen investieren, den ÖPNV und alternative Mobilitätskonzepte fördern um wieder in großer Zahl neue Arbeitsplätze zu generieren, die die Arbeitsplätze der Autobauer und Braunkohle-Arbeiter Deutschlands weit übersteigen und vielen von ihnen eine neue Zukunft oder überhaupt eine Zukunft zu bieten!

Andernfalls sterben die letzten Deutschen, und damit eure Kinder, einst in einem beliebigen Verkehrsstau auf einer Küstenstraße nahe Berlins in der irren Sommerhitze und den brennenden Steppen der Brandenburger Landschaft…

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

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