XR: Berlin blockieren – Jetzt handeln!

Freundliche Menschen aller Altersklassen, friedliche Stimmung, ein ruhiger und lebenswerter Park.
Freiflächen, die sofort auch von anderen Menschen genutzt werden, die nicht zur XR-Rebellion-Aktion wollten.
Das konnte man erleben, wenn man gestern die Aktionen der Extinction Rebellion (XR) in Berlin besuchte.

Noch immer blockiert

Aktuell zur Stunde (10:35 Uhr ) sieht es so aus als würde der Potsdamer Platz bald geräumt sein, während der Große Stern weiter blockiert ist und wohl auch bleibt

Update: Inzwischen (10:40 Uhr) ist auch die Räumung des Großen Sterns angekündigt worden.

Gelungene Aktion

Jeder, der auch nur zeitweise an den Aktionen teilnahm, sah nichts als engagierte Menschen, die sich für die Zukunft ihrer Generation oder, bei den älteren Menschen, für die Zukunft ihrer Kinder und Enkel einsetzten.

Musik, Performances, Gesang und Reden. Spielen und Leben auf den sonst so toten Straßen im Zentrum.
Ein friedlicher, ruhiger Tiergarten in dem man die Vögel deutlich zwitschern hört.
Menschen, die sich von den beengten Gehwegen befreien und einfach quer über oder auf der Straße laufen ohne Angst vor Autos zu haben.

Kein Lärm und Gestank auf der Leipziger Straße für viele Stunden!
Frische Luft und kein Gestank von Frittenbuden oder Autoverkehr (je nachdem wer die Straße gerade nutzen darf) zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule.

Das alles sind nur die Begleiterscheinungen von gerade einmal zwei blockierten Kreuzungen von vielen Hunderten im Stadtgebiet!

Laut und friedlich fordern die Bürger das Handeln der Bundesregierung und aller anderen Regierungen ein.
Fordern das Einhalten von geschlossenen Verträgen und den Stop von Gelaber und Arschkriecherei bei den Industrielobbies.

Sie fordern die Wahrheit und ein Ende der Augenwischerei gegenüber dem Volk, die die Untätigkeit zu Gunsten der Wirtschaftsbosse verdecken soll.

Danke für diese Aktion!

Was nervt…

Was nervt ist die ewig gleiche Reaktion der Presse:
Setzen sich Menschen friedlich für die Umwelt ein, werden sie gleich linksradikalen Gruppen oder Terroristen gleichgestellt, weil sie den Autoverkehr in einem kleinen Teilbereich der Stadt blockiert haben.

Über den Protest hinaus bleibt allen mündigen Bürgern also nur auch an den Wahlurnen der Zukunft das Verhalten und Versagen der Regierungen entsprechend zu würdigen.

Der Verkehr …!

Aber auch Journalisten, die vermutlich zumeist auch Autofahrende sind, verhalten sich angesichts zweier blockierter Kreuzungen nicht ganz „normal“:

Da ist von blockiertem Verkehr die Rede, wenn eigentlich gemeint ist, das in einem kleinen Bereich der Stadt zwei Kreuzungen für den Autoverkehr nicht passierbar sind.

Ich bin gestern mit dem Rad in der Stadt überall hin gekommen, auch zu den Demos, ohne irgendwo im fortkommen behindert worden zu sein, ebenso wie alle Nutzer von U- und S-Bahn auch in dem Bereich keinerlei Probleme hatten.
Zu Fuß gehende waren ebenfalls nicht betroffen.

Da wird lamentiert, dass Menschen ihr Kind nicht mehr mit dem Auto (!) in die Kita bringen können, weil sie genau dort nicht mehr entlang fahren können…

Das ist zunächst mal ziemlich unflexibel von Nutzern einer Verkehrsart, die ja immer behaupten jederzeit überall hin zu kommen. Letztlich frage ich mich auch wie viel Prozent/Promille aller Kita-Kinder Berlins ausgerechnet morgens über diese beiden Kreuzungen transportiert werden müssen um ein relevantes Problem zu ergeben.

Und es zeigt zudem die nackte Ignoranz und den Egoismus des Teils der Menschen, denen das Thema der Proteste größtenteils völlig Wurst ist, ebenso wie die Zukunft ihrer eigenen Kita-Kinder. Hauptsache Auto.

Luisa Neubauer beantwortet das hier perfekt:

Die Bundesregierung

Die Bundesregierung behauptet derweil, entgegen der Meldung des Spiegel, dass das Klimapaket gar nicht abgeschwächt worden sei, man habe beim Spiegel das aktuelle Gesetz mit einer sehr viel früheren Vorlage verglichen.

Wenn das wahr ist, dann hat man uns also vor 14 Tagen mit dem Beschluss des „Klimapakets“ absichtlich eher nicht die Wahrheit gesagt, aber wahrscheinlich hat es das dumme Wahlvolk ja bloß falsch verstanden…

Es ist immerhin das Eingeständnis, dass man eh nicht vorhatte irgendwas entscheidendes für die Einhaltung der Pariser Verträge zu tun.

Wie viele von uns behielten ihren Job lange, wenn sie abgeschlossene Verträge ihrer Firma ignorierten?

Wie sehr die Bundesregierung darauf bedacht ist, eigene Pfründe und den Wohlstand weniger zu erhalten,zeigt hier einmal mehr ein Zitat aus der Diskussion um die CO2-Steuer aus dem Sommer:

Dann würde jeder gleich viel bekommen – ob er nun in Berlin lebt, arbeitet und guten ÖPNV hat oder ob er auf dem Land beim Weg zur Arbeit heute auf das Auto angewiesen ist.

Unions-Fraktionsvize Andreas Jung zu dpa

Was erreicht wurde…

Was die Aktion der XR erreicht hat ist in jedem Fall noch mehr Akzeptanz durch die Bürger des Landes, denn man musste nur einmal um die eigentliche Demonstration herum laufen um Satzfetzen wie „…das sind ja nicht nur junge Leute..“, „.. die machen wenigstens was…“, „..toll Stimmung…“ und „…ist ja total friedlich hier…“ aufzuschnappen.

Viele Menschen finden auch die phantasievollen, bunten Protestformen gut, mit denen man Aufmerksamkeit gewinnt.
Und viele „alte“ Protestler aus den Friedensdemos und der „Atomkraft? Nein Danke!“-Zeit stehen wieder auf und bevölkern mit den jungen Leuten die Straßen.

Vor 30 Jahren übrigens, feierte sich eine nicht mehr existente Regierung auch lieber selbst und dachte die Proteste der Bürger locker ignorieren zu können und war schon einen Monat später nur noch ein Eintrag im Geschichtsbuch.
Derlei wird heute wohl nicht passieren, aber schon bezeichnend wie sich Dinge in der Geschichte wiederholen…

Quellen:

XR: Berlin blockieren

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Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

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