Eine Woche im Lichte der ExtinctionRebellion

Natürlich kann man geteilter Meinung sein über die Proteste der ExtinctionRebellion in dieser Woche mit dem Motto #BerlinBlockieren. Vieles bleibt aber irgendwie nur „Wohlstands-Mimimi“ von Menschen die vielleicht Freitags in der Schule waren und trotzdem nicht begreifen worum es geht.

Seit 1977

1977 war es der Wissenschaftler James Black, der die Vorgesetzten seines damaligen Arbeitgebers Exxon, dem weltweit agierenden Ölkonzern, informierte, das die Freisetzung von Kohlendioxid bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe das globale Klima beeinflusse.

Das ist und bleibt der bestehende Fakt: wir wissen nicht erst seit gestern, dass da was im Busche ist, sondern schon sehr lange.
Waldsterben, Ozon-Loch, Auto-Katalysatoren, Smog-Alarm, verbleites Benzin… all das sind keine unbekannten Vokabeln für Menschen außerhalb der aktuellen Schülergenerationen. Das haben wir alles erlebt.

Alles übrigens Dinge, bei denen, wie seit 1977 bei CO2 auch, feststeht, dass sie von Menschenhand produziert und ausgelöst wurden.

Doch heute stecken wir in einer Egokratie, die das eigene Wohlstands-Leben, das eigene Auto, dreimal Urlaub im Jahr mit dem Flieger und Coffee-ToGo höher bewertet, als das jener weit weg ertrinkenden Menschen oder gar der Zukunft der eigenen Kinder und Enkel.

Unsere Eltern wollten immer, dass wir es mal besser haben. Sie haben dabei einige Irrwege beschritten. Auch wir beschreiten – und werden auch zukünftig vielleicht noch weitere – Irrwege beschreiten, weshalb es wichtig ist, erkannte Irrwege zu eliminieren und durch bessere Wege zu ersetzen.

Das kann man nur, wenn man auch mal den eigenen Irrweg erkennt und versucht vom Teil des Problems zum Teil der Lösung zu werden.
Das geht in jedem Alter:

Missverstandene Rechte

Viele der Anti-Kommentare beruhen zudem auf einem missverstandenen Recht:
Natürlich habe ich ein Recht darauf mich frei zu bewegen und dazu das Verkehrsmittel meiner Wahl zu nutzen.
Um diesem Recht Sorge zu tragen finanziert der Staat Straßen und organisiert (und teilweise finanziert) er auch den Rahmen für öffentlichen Nah- und Fernverkehr.

Es gibt aber weder ein Recht auf Autofahren noch auf staufreie Straßen, denn dann wäre ja auch der Autoverkehr an sich schon bereits ein Angriff auf dieses Recht, denn er staut sich ja auch problemlos täglich ohne jegliche Blockade durch Umwelt-Aktivisten.

In Berlin waren also ein paar Tage lang ein paar tausend Autofahrer von zusätzlichen Staus betroffen, während hundertausende Nutzer anderer Verkehrsmittel nach wie vor und wie jeden Tag ihrer Ziele erreicht haben.

Ich wage zu sagen, dass auf weit über 90% der Straßen der Stadt nach wie vor nur das „normale“ tägliche Chaos herrschte, dass nur die Verkehrsart Auto verursacht und damit täglich auch andere Mitbürger in Geiselhaft nimmt, die dadurch ebenfalls am Fortkommen gehindert werden (Busse und Trams im Stau z.B.).

An diesem Punkt stimme ich, wenn ich auf den Autoverkehr blicke, dem Zitat des Users sogar zu:

‚Wir wollen den Alltag in Berlin stören‘ heißt nichts anderes als: ‚Wir wollen den Alltag, das Leben, Frieden, Arbeit und Broterwerb anderer Menschen stören.‘
Das ist alles andere als friedlich. Das ist kein ziviler Ungehorsam. Gewaltlos ist das auch nicht.

User/in cehage, User-Kommentar zu „Wenn das Klima kippt, kippt auch die Demokratie“, Zeit-Online

Der/die UserIn meint damit aber die Blockaden der Extinction Rebellion, die in der Tat total gewaltfrei und friedlich verlaufen und die zum Entsetzen aller Boulevardblätter sogar ihren Müll wieder aufsammeln.
Der Meinungsfreiheit wird dazu noch zumeist ein höhere Wert beigemessen als dem fließenden Verkehr.

Nach dem zitierten User-Kommentar sind übrigens Zweitspur-Halter und Falsch und Gehwegparker dann auch nicht gewaltlos… schon mal drüber nachgedacht?

Freundlicher Empfang

Übrigens wurde auch ich auf meinen Wegen durch die Stadt nicht von den Blockaden behindert, sondern eher auf meinem Rad freundlich empfangen, was man vom umliegenden Autoverkehr in Berlin auch anderen Tagen oft nicht behaupten kann.

Natürlich habe ich auch Blockaden gezielt besucht, mich informiert und zeitweise durch meine pure Anwesenheit auch teilgenommen. Und das war auch gut so.

Ich habe erlebt wie friedlich ein Tiergarten ohne jeden Autoverkehr klingt, wie gut plötzlich die Luft dort ist und wie auch an den Protesten unbeteiligte Menschen den Freiraum sofort intuitiv für ihre Zwecke zurück erobern mit Erholung, Sport, Kunst und unzähligen menschlichen Aktionen mehr.

Während mich sonst als eher radelnder Aktivist und Klimafreund öfter mal die pure Hoffungslosigkeit angesichts der totalen Ignoranz und Gier meiner Mitmenschen packt, habe ich hier nach der großen Klimademo im September zum zweiten Mal wieder Zuversicht geschöpft in Gegenwart der bunten Mischung aus jungen und älteren Menschen und ihrer fröhlichen, kreativen Proteste.

Die Meckerer und Tatenlosen

Die Meckerer, Leugner und Tatenlosen jedenfalls, die teilweise eher auf Hinterhofniveau Hass und Beschimpfungen äußern ohne selber auch nur einen Vorschlag oder gar ein wirksames Klimapaket vorzulegen oder auch nur Argumente zu äußern, dass merkt man deutlich, knirschen mit den Zähnen weil keiner von den Aktivisten einen Stein werfen mag und ihre eigenen Sympathiewerte zügig sinken.

Vielen Dank an die Extinction Rebellion für die vielen friedlichen und bunten Veranstaltungen! Vielen Dank für den Anstoß zu neuen Aktionen und Diskussionen!

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.





%d Bloggern gefällt das: