E-Scooter: Wenig Bedarf bei „schlechtem“ Wetter?

Für den echten Radfahrer gibt es ja kein schlechtes Wetter, welches für Autofahrende ja schon bei 1% Regenwahrscheinlichkeit oder unter 25° Celsius beginnt. Für die Roller-Fahrer wohl auch…

Nutzung geht zurück

Rund um den Eingang zu Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett stehen auf engstem Raum 140 Tretroller. Kreuz und quer geparkt, übereinandergestapelt und -geworfen. Ein bunter Lenkstangenwald mit Fabrikaten aller Anbieter. Was nicht zu sehen ist: eine einzige Person, die an einem regnerischen Novembertag damit fährt.

E-Scooter werden in Berlin zum rollenden Problem, Berliner Morgenpost

Natürlich wissen auch die Anbieter, dass der kommende Winter nicht für ein Umsatzhoch in ihren Kassen sorgen wird, und gerade in Berlin, auf einem eher übersättigten Markt, wird es wohl bald das erste Scooter-Sterben geben… „der Markt“ wird das regeln.

Es ist halt ein Spielzeug, kein ernsthaftes Verkehrsmittel.

Friedemann Brockmeyer, Beratungsunternehmen Civity

Öffentlicher Raum

Die vielfach ungeklärte Frage ist aber die Nutzung des öffentlichen Straßenlandes zu gewerblichen Zwecken.

Jeder der auch nur einen Stuhl vor die Haustür stellt muss damit rechnen Gebühren dafür zu bezahlen, sämtliche E-Scooter-Anbieter und sonstige Sharing-Unternehmen werden aber nicht zur Kasse gebeten.

In Bremen wird das recht strikt reguliert:
Dort sind nur unter Auflagen und gegen Gebühr 500 Tretroller pro Anbieter genehmigt.
Derzeit gibt es in Bremen zwar noch keine Scooter, aber die drei Unternehmen, die sich für Bremen interessieren sehen auch keinen Grund für eine Klage.

Die Sondernutzung wird durch die Anbieter nicht infrage gestellt.

Gunnar Polzin, Leiter der Verkehrsabteilung Bremen

In Berlin dagegen sieht man das anders, auch wenn man Parkflächen für die Sharing-Anbieter ausweisen will:

Unsere juristische Einschätzung ist, dass es nicht dem Bundesrecht entspräche, wenn man Sondernutzungsgebühren für das Parken auf dafür ausgewiesenen Parkflächen auf der Straße erhebt.

Staatssekretär Ingmar Streese, Berlin

Derweil dürfen wir alle uns also mit den teilweise unbeleuchteten Scootern herumärgern, die, weil sie im Park ja nicht funktionieren (sollen) dann einfach mitten auf dem Weg stehen und zu Gefahr für Radfahrende und Fußgänger und insbesondere für sehbehinderte Menschen werden.

E-Scooter wegräumen!

Wenn ihr unterwegs seid und seht so ein Hindernis, dann tut euch und andren Menschen den Gefallen und stellt/legt den Kram einfach beiseite!

Sich bei den verschiedenen Unternehmen zu beschweren, wird nämlich eher nicht funktionieren, denn es interessiert sie schlicht nicht, so lange der Rubel rollt.

Verantwortungslose „On-Demandisierung“

Die Sharing-Economy (alle Unternehmen, nicht nur die E-Scooter-Anbieter) produziert Probleme, für die sie, hinter den bunten Marketing-Präsentationen versteckt, nicht verantwortlich sein will:

  • Prekäre Arbeitsverhältnisse (z.B. „Juicer“)
  • Fragwürdige Nachhaltigkeit bei Betrieb und Herstellung
  • soziale Achtlosigkeit

Die On-Demandisierung von Dienstleistungen entkoppelt die Nutzung von der Verantwortung – und befeuert damit eine soziale Achtlosigkeit, die so gar nicht zur behaupteten ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit passen will, die derartige Dienste für sich in Anspruch nehmen. Ein Widerspruch, der den Anbietern noch um die Ohren fliegen könnte.

Baha Jamous, CMO Hapimag

Es bleibt auch die Frage ob so manches Produkt aus diesem Bereich überhaupt einen schon vorher vorhandenen Bedarf erfüllen will, oder ob nicht nur die gewaltigen Budgets der Risiko-Investoren über aggressives Marketing eine Nachfrage dafür schaffen.

Wir müssen erkennen, dass ökologische und soziale Nachhaltigkeit nicht länger ein mit blumigen Broschüren ausstaffiertes CSR-Programm ist, sondern ein integraler Bestandteil jeglicher wirtschaftlichen Tätigkeit.

Baha Jamous, CMO Hapimag

Quellen:

Berlin, Fahrrad-City auf vimeo:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister





%d Bloggern gefällt das: