Hupe, wenn du Radfahrer magst!

Wir haben zwar noch nicht ganz indische Zustände erreicht, aber auch Berlins Autofahrende arbeiten hart daran diesen Zustand zu erreichen.

Unsitte Hupen

Hupen ist erlaubt, wenn ein Autofahrer einen Radfahrer übersieht oder ein Fußgänger unachtsam die Fahrbahn betritt. Wer dagegen einen nicht ganz ausgeschlafenen Pkw-Fahrer an einer grünen Ampel anhupt, muss mit einem Bußgeld von bis zu zehn Euro rechnen.

Hupen im Straßenverkehr: Wann es erlaubt ist, Berlin.de

Schon dieses Zitat offenbart einen Teil des Irrsinns: Wenn ich jemanden „übersehe“, also gar nicht wahrnehme, wie kann ich da noch hupen?
Wäre reagieren und Bremsen dann nicht schon angebrachter?

Gehupt wird heutzutage so oft, dass der warnende Charakter den das Signal ja haben soll, längst verloren gegangen ist.
Ebenso wie neonfarbene Warnwesten schon längst nicht mehr die Aufmerksamkeit auf die Kita-Gruppe, den Müllmann oder Radler lenken, weil sie einfach schon zu häufig im Sichtbereich auftreten.

Wir leben gleichsam in einer Welt in der die Luftschutzsirene dauerhaft an ist und deshalb niemand mehr darauf reagiert.

Heute morgen, wieder auf der großen Kreuzung in Zehlendorf-Mitte, wieder geht es dem letzten Linksabbieger nicht schnell genug, wieder wird gehupt – das letzte Fahrzeug in der Reihe ist (echt wahr, habe ich mir nicht ausgedacht) ein schwarzer, langer Leichenwagen. Kein weiterer Kommentar.

Hupt doch nicht ständig! , Tagesspiegel

Einzige Gefahr: Der Hupende selbst

Sehr oft ist die einzige Gefahr für die Verkehrsteilnehmer der Hupende selbst und er könnte das Malheur durch Geduld oder nur mal den Fuß etwas vom Gas nehmen geräusch- und gefahrlos lösen ohne das jemand durch das Hupen möglicherweise auch noch in Gefahr gerät.

Es ist ein bisschen wie mit dem Klingeln wenn ein Fußgänger auf dem Radweg läuft:
Klingelt man, macht der Betroffene in 90% der Fälle nicht einfach Platz, sondern tut etwas völlig anderes und am Ende sind plötzlich beide in Gefahr.

Disziplinarisches Hupen, wie es gerne gegenüber Radfahrenden benutzt wird, kann eben auch den Radfahrenden derart erschrecken, dass erst dadurch überhaupt Gefahr für Leib und Leben entsteht.

Genervte Autofahrende

Das die Straßen voll sind und es jeden Morgen Stau gibt, ihr mal wieder spät dran seid, weil irgendwo noch eine Baustelle war… dafür kann ich nix.

Da gilt dieselbe Empfehlung, die ihr allen anderen Nicht-Autofahrenden im Büro auch immer gebt: „Fahr halt früher los…“.

Wenn man sich dann noch ein bisschen über die Ereignisse des Tages informiert, also so gut wie ihr die Blitzer-Meldungen immer befolgt, dann gerät man auch nicht in den Stau vor der tagelang angekündigten Demo und ist immer noch pünktlich zum Termin… und muss nicht dauernd Hupen.

Ohne Hupen

Mir ist es zuerst gar nicht so aufgefallen, aber im Urlaub in Kopenhagen fehlte dieser Hup-Tinnitus den man von jeder Berliner Kreuzung kennt.
Es geht also auch ohne.

Manchmal denke ich allerdings, dass wir weniger eine Verkehrswende brauchen, als den großzügigen Austausch von Autofahrenden, die hier, wie bei vielen anderen Dingen, einfach selbst das Problem sind.

Hupe, wenn du Radfahrer magst!

Vielleicht muss auch ich nur umdenken und eigentlich ist das Hupen ein freundlicher Gruß eines Autofahrenden, der mich in der Nutzung meines Rades bestärken will.
So sieht man das zumindest bei der Critical-Mass-Nairobi:

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister





%d Bloggern gefällt das: