Velten: Lieber keine S-Bahn!

Eigentlich ist man im gesamten Umland zufrieden, wenn der Verkehrsverbund VBB sein Angebot verbessern will und den Speckgürtel mit neuen Bahnlinien versorgt.
Velten denkt da aber anders…

Keine Wohnungen und keine S-Bahn

Ein Bündnis aus der Wählergemeinschaft „Pro Velten“, der CDU, der AfD und sogar der NPD beschloss in Velten zum einen ein Verbot für den Neubau von Wohnprojekten über 50 Wohneinheiten und zudem möchte man sich nicht an das S-Bahn-Netz anschließen lassen, denn man könne bereits jetzt „eine zunehmende Entfremdung der Einwohner feststellen“, wie es in einem der Anträge heißt.

Velten ist, so gibt die Wikipedia Auskunft, im Vergleich zu den Nachbargemeinden nach 1990 nicht wesentlich gewachsen und hielt sich bei einem Stand zwischen 11000 und 12000.
Da fragt man sich schon, wie das zu „Entfremdung“ führen kann.

Unsere Heimatstadt darf nicht zu einer Berliner Vorstadt werden

Beschlussvorlage 218, Velten

Erstaunt äußert sich dazu auch der Tagesspiegel:

28 Jahre haben die Veltener im Schatten der innerdeutschen Grenze gelebt, nun wollen sie im 11.000 Einwohner Städtchen scheinbar wieder Mauern erbauen. Keine zehn Kilometer sind es zur nördlichen Berliner Stadtgrenze, täglich pendeln Hunderte Einwohner. Doch mehr sollen es bitteschön nicht werden.

Keine neuen Wohnungen und bitte keinen S-Bahn-Anschluss, Tagesspiegel

Widersprüchliche Beschlüsse

Man begründet das Moratorium auf den Wohnungsbau damit, dass , man nicht wolle, das großflächig neuer Wohnraum entsteht, so lange die Infrastruktur (also Kitas, Schulen, Feuerwehr und Verkehr(!)) im Städtchen nicht stimme.

Gleich im Anschluss kappt man dann den Anschluss an die S-Bahn wegen zunehmender „Entfremdung“…
Logisch klingen die beiden Beschlüsse zusammen jedenfalls nicht.

Man wolle lieber eine Direktanbindung mit der R6 nach Gesundbrunnen, denn der Umstieg an die S-Bahn in Henningsdorf sei wegen verspäteter Regio-Züge meist nicht zu schaffen. Außerdem seinen die Kosten der S-Bahn-Anbindung gestiegen, so Marcel Siegert von der Bürgervereinigung „Pro Velten“.

Der Veltener Stadtplaner sieht durch den Beschluss aber eher den Anschluss an das ÖPNV-Netz gefährdet:

Wenn jetzt das Signal kommt, dass Velten die S-Bahn nicht möchte, sehe ich die Gefahr, dass die Mittel an anderer Stelle eingesetzt werden.

Stadtplaner Berthold Zenner

Einfamilienhäuser statt sozialer Wohnbau?

Viele Veltener finden aktuell auch schon keine Wohnungen mehr in Velten, sozialer Wohnungsbau funktioniert aber erst ab einer gewissen Größe wirtschaftlich.

In der Folge werden wohl weiter Eigenheime entstehen und so noch mehr Pendler erzeugen, die die Verkehrsprobleme Velten wohl nicht lösen werden und auch eine „Entfremdung“ kaum aufhalten werden.
Es sind ja zumeist Städter, die ihr Häuschen auf dem Lande bauen und zu Pendlern werden…

Falsche Richtung

Wenn es an Kitas und Schulen mangelt, muss man eben welche bauen. Deshalb einen S-Bahn-Anschluss abzulehnen, der im Rahmen des Investionsprogramms „i2030“ ja auch noch nicht realisiert ist und auch nicht direkt morgen auf der Wiese steht, ist sicherlich eine komplett falsche Entscheidung, die die Stadt eher von der Welt abkoppelt.

Der Beschluss kommt ja mit einer konservativ-rechten Mehrheit zu der einmal mehr die CDU beigetragen hat daher und lässt so auch erahnen wes Geistes Kind der Schutz des „Heimatbiotops“ eigentlich ist.

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

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