Verkehrswende: Keine einfache Aufgabe

Eine Wende im Verkehrsverhalten herbeizuführen ist nicht einfach. Besonders dann nicht, wenn man es nicht mit wirksamen Mitteln forciert.

Nur das Geld zählt

Um der Menschheit des Anthropozäns beizubringen mit ihrer Mobilität wieder vernünftig umzugehen braucht es offenbar mehr als gute Worte:
Ohne eine gewisse Form von Zwang oder Drangsalierung scheint sowas nicht zu funktionieren.

Offenbar ist eine Pandemie wie Covid19 dabei z.B. durchaus hilfreich, denn z.B. die Lufthansa will deshalb 50% ihrer Flüge vorübergehend einstellen, weil Urlauber und Geschäftsreisende einfach nicht mehr fliegen.

Dennoch wäre es aber viel wirksamer hier vor allem die Preise deutlich nach oben zu korrigieren, damit dieser positive Verkehrs- und Umwelteffekt die derzeitige Pandemie auch überdauert.

Kosten und Mühen zu verursachen ist auch der einzige Weg Autofahrende von ihrem jetzt schon in den Städten unbequemen Gefährt wieder abzubringen.

Kostenlos alleine genügt nicht

Pfaffenhofen, „verkehrsgünstig“ zwischen großen Arbeitgebern wie Audi in Ingolstadt und BMW in München gelegen, macht gerade diese Erfahrung:
Der ausgebaute Nahverkehr der Stadt ist komplett kostenlos für Anwohner und Gäste und dennoch fahren alle lieber mit ihrem (Firmen-)Fahrzeug. Sogar zum Bahnhof.

„Was wir wirklich wollen, sind mehr Parkplätze“, sagt eine Frau, die ihr Auto auf dem Marktplatz abgestellt hat. Eine Viertelstunde sei sie im Kreis gefahren, bis einer der begehrten Parkplätze frei geworden sei. Der kostenlose Bus sei ja nett, aber wirklich gebraucht habe sie ihn nicht.

Bus für lau – und alle fahren Auto, Zeit-Online

Dabei ist der Verkehr, wie fast überall, ein Hauptthema vor allem der Autofahrenden: Auch in Pfaffenhofen sind sie genervt vom Lärm des Verkehrs, vom Feierabendstau und der längeren Fahrtzeit und das sie mal wieder keinen Parkplatz gefunden haben.

Das Hauptproblem hier wie auch z.B. in Berlin:
Es ist viel zu bequem und solange viele Parkplätze kostenlos sind und diese nicht weniger werden, denkt niemand um.
Dazu braucht es dann aber auch die richtige Infrastruktur.

Heute an Bord ist auch eine Frau mit Aktentasche, die ihr Kind von der Krippe abholen fährt. „Ich fahre erst Bus, seit es kostenlos ist“, sagt sie. Früher sei sie immer gelaufen. Radfahren kommt für sie nicht infrage: „Das ist hier lebensgefährlich.“ Es gebe zu wenig Radwege, aber vor allem viel zu viele Autos. Sie habe nicht das Gefühl, dass sich der Verkehr durch den kostenlosen Bus verändert habe. In ihrem Büro, das am großen Hauptplatz der Stadt liegt, könne sie nur in der Mittagspause die Fenster ihres Büros öffnen. „Sonst ist der Autolärm einfach unerträglich.“

Bus für lau – und alle fahren Auto, Zeit-Online

Wenn man die Lösung der Verkehrsprobleme dann allerdings angeht, fühlen sich allerorten die Autofahrenden in beliebiger Reihenfolge um ihre Rechte, ihre Freiheit, ihren Besitz u.ä. betrogen und können nicht nachvollziehen, dass sie „die auf ihr Auto angewiesen sind“, genau das Problem darstellen, welches es zu lösen gilt.

Auch das von vielen Autofahrenden vorgebrachte „Argument“, wenn der ÖPNV besser ausgebaut wäre und nicht so teuer (was bei den Kosten eines Autos ohnehin ein Scheinargument ist) würde man diesen auch nutzen, stammt, wie in Pfaffenhofen bewiesen, aus dem Märchenbuch.

Hinweise machen mehr Verkehr?

In Berlin-Prenzlauer Berg ist man durchaus auch dabei den Verkehr aus Wohnvierteln heraus zu halten und so hatte man für das „Blumenviertel“ am Volkspark Prenzlauer Berg eine Verkehrsberuhigung beschlossen.

Am Rande des Parks liegt der gemeinnützige Förderverein „Weingarten Berlin“, der sich im Auftrag des Bezirks um das kleine Weinanbaugebiet kümmert und mit Konzerten und Festen regelmäßige, gut besuchte Veranstaltungen organisiert.

Die CDU wünschte sich daher ein Hinweisschild, welches den Verkehrsteilnehmern den Weg zu dieser Anlage weisen solle.
Das wurde im Verkehrsausschu0 der BVV abgelehnt, da einzelne Verordnete befürchteten, dass man damit mehr Verkehr ins Blumenviertel leite, was dann die Verkehrsberuhigung wieder nutzlos mache.

Ganz klar reden wir unter dem allgemeinen Deckmantel „Verkehr“ einmal mehr wieder ausschließlich über den motorisierten Individualverkehr und genauso sollte man es dann auch benennen.

Hat man diese Befürchtung, muss man eben genau dagegen etwas unternehmen und nicht erneut vor den Autofahrenden einknicken:
Modalfilter, Sackgassen, Diagonalsperren, Einbahnstraßen u.ä. sind probate Mittel den Autoverkehr zu reduzieren.

Einfach mal tun ist viel krasser als immer nur reden!

Luxemburg kostenlos

Luxemburg wird zu einem Traumland für Menschen, die eben nicht das Auto benutzen wollen und hat einfach mal begonnen etwas zu tun:
Der ÖPNV ist für Einheimische und Touristen kostenlos.

Das kostet den Staat 41 Millionen Euro im Jahr und dazu plant man den massiven Ausbau von Bus- und Bahnlinien.

Für die Eisenbahn im Land stehen laut Heise.de von 2018 bis 2027 rund vier Milliarden Euro bereit. Hinzu kommen demnach 550 Millionen Euro für die Tramstrecke in der Hauptstadt.

Erstes Land der Welt führt kostenlosen ÖPNV ein, Frankfurter Allgemeine

Man ist sich dort also der Lage durchaus bewusst, dass man noch nicht das optimale ÖPNV-System im Lande erreicht hat, geht die Sache aber trotzdem gleich mal an.

Dafür gibt es von meiner Seite nur Beifall, denn an der Praxis lassen sich Schwachpunkte immer deutlich leichter erkennen und dann ausmerzen als in der schönsten Planung.

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

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