Von allem mehr: Raser und Radfahrer

Auch wenn der ADAC sinkende Radfahrer-Zahlen sieht: Es ist eben nicht so! PopUp-Bíke-Lanes erobern die Welt und sind vielfach gekommen um zu bleiben. Gleichzeitig drücken Autofahrende mehr auf die Tube.

Täglich grüßt der Raser

(Beinahe) täglich liest man derzeit solche Sachen:

Man liest von Rennen, Flucht vor der Polizei und Menschen, die sich solche Autos wie oben im Bild leihen, um mal so richtig die Sau raus zu lassen.

Die Polizei meint beinahe alle Verkehrsdelikte seien rückläufig, die Rennen hätten wohl mit den leeren Straßen zu tun, aber wohl auch mit dem rigorosen Einschreiten der Polizei dagegen.

Seit etwa drei Wochen sind die Zahlen am Explodieren. Es sind viele schwere Fälle dabei.

Andreas Winkelmann, Abteilungsleiter bei der Amtsanwaltschaft

Aufgrund der rigoroseren Strafen hätten wohl auch Fluchten vor Polizeikontrollen zugenommen, die seit 2017 ebenfalls als illegale Rennen gelten und mit hohen Geldstrafen und bis zu 2 Jahren Gefängnis bedroht sind.

Ein Abschreckungseffekt, so die Polizei, sei aber bislang nicht erkennbar.

Natürlich ist da nur ein Tel der Autofahrenden, der da durchdreht, aber hat man das bis hierher gelesen, sieht man jene, die behaupten, man könne ja leicht mal übersehen, dass man mehr als 21 km/h zu schnell sei und würde dann „aus Versehen“ auch noch den Führerschein verlieren, in einem völlig anderen Licht.

Ja, liebe Autofahrende! Es gibt Regeln und bedauerlicherweise auch nicht alle Radfahrenden und Fußgänger halten sich immer dran:
Ein Arschloch bei eben ein Arschloch, unabhängig vom Verkehrsmittel!

Kontrollen müssen sich auch in der #Covid19-Lage auf alle Verkehrsteilnehmer erstrecken und die erkannten Strafen auch verhängt werden, wenn man möchte, dass die StVO und die Polizei im Straßenverkehr wieder für voll genommen werden soll.

Nachhilfe in der Regelkunde

Wer noch etwas Nachhilfe in der neuesten Regelkunde braucht, der möge sich gerne hier bei der Berliner Morgenpost auf den neuesten Stand bringen:

Gerade Autofahrer haben ja oft wenig Ahnung, wann Radwege überhaupt welche sind und wieso sie nicht immer benutzt werden müssen.

ADAC: Radverkehr nimmt ab

Der ADAC meint nun, der Autoverkehr habe derzeit natürlich abgenommen, aber der Radverkehr sei in Berlin auch rückläufig.

Ein Behauptung, die, betrachtet man die absoluten Zahlen der Berliner Radverkehrszählstellen, zunächst zu stimmen scheint, aber dann im Detail doch schwächelt:

Die Zählstelle an der Oberbaumbrücke ist nämlich seit den Sanierungsarbeiten im letzten Jahr offline.
Damit ist der Spitzenreiter nicht mehr dabei, während fast alle anderen Zählstellen im Plus liegen.

Damit wäre, nähme man für 2020 dieselben Zahlen wie 2019 für die Oberbaumbrücke an, der Radverkehr um 3% gestiegen.
Dieses Detail übersieht der ADAC aber natürlich geflissentlich.

Das ist, als ignorierte man bei einer Autoverkehrszählung das Adlergestell.

Der Autoverkehr hingegen, zwischenzeitlich bis zu 30% schwächer als vor der Krise, nimmt wieder zu, seit man die Vorschriften wieder gelockert hat und schlicht wieder mehr Menschen zur Arbeit müssen.

Die Radwege poppen auf

Radfahren ist insbesondere in den Städten das geeignete Mittel um Distanz zu seinen Mitmenschen zu halten, sich Bewegung zu verschaffen und den Platz im ÖPNV jenen zu überlassen, die keine andere Möglichkeit der Mobilität haben.

Dazu ist es auch noch schlicht ein günstiges Freizeit-Vergnügen für die ganze Famile.

Die Fahrradläden sind derzeit tatsächlich das Boom-Gewerbe der Krise:
Werkstatt-Termine sind nur mit wochenlanger Wartezeit realisierbar und auch der Verkauf von Fahrrädern läuft gut.

Die Branche werde gestärkt aus der Krise hervorgehen, schätzt der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Derzeit gebe es nach den erzwungenen Ladenschließungen eine Nachholstimmung bei den Kunden und die Händler hätten viel zu tun. „Glücklicherweise konnten die Läden früh genug wieder öffnen, so dass die Saison noch lang ist“, sagt Verbandssprecher David Eisenberger. „Wir sind zuversichtlich, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen.“

VOLLE RADWEGE UND RIESIGER ANSTURM: WIRD RADFAHREN ZUM NEUEN TREND?, Tag24

Doch man muss auch genug Platz für sicheres Fahren haben, was gerade in den deutschen Auto-Städten oft sehr problematisch ist.

Losgetreten von Bogotá in Kolumbien, die ihre Regelung der Sonntags autofreien Innenstadt einfach ausgeweitet haben, begann man deshalb auch in Berlin und z. B. auch in Paris über Nacht neue, breitere Radwege im Straßennetz zu implementieren.

Der Begriff „Pop-up-Bike-Lanes“ kommt aus Nordamerika. Dort experimentieren Städte wie New York schon seit Jahren mit temporären Radstreifen, weiß Burkhard Stork, Geschäftsführer des Fahrradverbands ADFC. „Es hat sich gezeigt, dass es das Sicherheitsempfinden steigert, wenn etwas zwischen Radstreifen und Autostraße steht“, sagt er.

Impuls aus Bogotá, taz

Neben Budapest, Paris, Mailand, Brüssel,Mexico-Stadt, Minneapolis, Calgary und New York gibt es auch andere Städte, die die Zeichen der Zeit sehen und auf die wir Mitteleuropäer gedanklich nicht gleich kommen:

Viele vom deutsche Autozentrismus geprägten Städte, allen voran Hamburg, ignorieren diese Möglichkeit schlicht, aber Dresden, unter Radfahrern berüchtigt, installiert dann doch einen breiteren City-Radweg (Link zur Bild).
Am Ende werden wir sehen, wer insgesamt besser damit fährt, im wahrsten Sinne des Wortes.

Derweil in Xhain…

Im Berliner Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg ist man derweil schon einen Schritt weiter:

„Die Wirtschaft“

Natürlich gibt es auch Widerstand gegen das umtriebige Vorgehen in unserer Stadt, der sich, wie kaum anders zu erwarten, unter der Überschrift „die Wirtschaft fordert“ formiert:

Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg erklären, die angeschlagene Wirtschaft sei nun auf einen fließenden Autoverkehr und genügend Parkplätze angewiesen. Sie fordern den sofortigen Rückbau der Pop-up-Radwege.

Wenn das Virus die Autos wegdrängt, Süddeutsche Zeitung

Das witzige an diesem immer wieder vorgebrachten Argument ist aber, dass die Unternehmen oft nicht einmal wissen wie viele Kunden zu ihnen überhaupt mit dem Auto kommen und sie auch nciht begründen können, wieso es mit einer Bike-Lane vor der Tür nicht auch oder besser funktionieren sollte.

Anstatt also erst einmal abzuwarten und später Forderungen zu stellen, stemmen sich die autozentrierten Menschen gegen jede Neuerung, die ihr Spielzeug entmachten könnte.

Kein Zurück zur „Normalität“

Wir alle müssen jetzt auch daran arbeiten, dass es den ewig gestrigen im Lande gelingt, nach der Krise wieder zurück zur ihrer „Normalität“ zu gehen und dabei vielleicht noch die Vorgaben zur Klimakrise außer Kraft zu setzen.

Gerade #COVID-19 hat gezeigt, dass Politik auch schnell im Krisenfall handeln kann und das müssen wir auch nach bei der Klimakrise wieder einfordern. Ausreden gibt es nicht mehr dafür.

Eine angeschlagene Wirtschaft kann dann auch neuen Vorgaben folgen und zum Vorteil von uns allen agieren oder sie ist nicht förderungswürdig!

Am 5.Mai gibt es einen „Autogipfel“ und die Industrie will erneut, dass wir Steuerzahler ihnen Geld in den Hintern blasen, damit sie…

  • … trotzdem Boni an ihre Manger zahlen können
  • … den Sharholdern eine schöne Divende zahlen können.
  • … ihr Mitarbeiter weiter durch Kurzarbeit vom Statt finanzieren lassen.
  • … weiter schummeln darf.

Das darf nicht sein:

„Out of question“

I say in all firmness that it is out of the question that we allow ourselves to be invaded by cars, and by pollution.
It will make the health crisis worse. Pollution is already in itself a health crisis and a danger — and pollution joined up with coronavirus is a particularly dangerous cocktail. So it’s out of the question to think that arriving in the heart of the city by car is any sort of solution, when it could actually aggravate the situation.

Anne Hidalgo, Bürgermeisterin Paris

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister





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