HomeOffice führt zu weniger Autoverkehr

Gut: Der empirische Beweis dafür fehlt natürlich noch, aber das subjektive Erleben zeigt: HomeOffice können oft eh nur jene, die sonst immer mit dem Auto fahren.

Präsenzdienst

In meiner Abteilung gehöre ich zu den wenigen, die auf Grund verschiedener Abwägungen nicht einmal mit der Möglichkeit ausgestattet sind, einen Tag im HomeOffice zu verbringen.
Ich bin also zum Präsenzdienst „verdammt“.

Es fällt auf, dass sich unter den wenigen Dauer-Präsenzdienstlern recht wenige tummeln, die beständig mit dem Auto fahren:
ÖPNV-Nutzer und Radfahrer sind in der Überzahl.

Gesundheitliche Erwägungen können also nicht das Hauptargument für einen Präsenzdienst sein… es ist, auch wenn wir alle das nicht gerne hören, die „Wichtigkeit“.

Posten und Pöstchen führen dann auch dazu, dass man im Alltag nicht wirklich gebraucht wird, weil das Druckerpapier jemand anderes nachfüllt und man, ob größerem monatlichen Einkommens, seinen Status durch Autofahren bestätigt.
Jedenfalls oft.

Den Laden am Laufen halten

Natürlich gibt es Berufe, in denen HomeOffice komplett unmöglich ist, was z.B. die zur Zeit sehr beliebten Friseure oder auch Verkäufer und Handwerker betrifft.

Das sind die Menschen, die einen Laden wirklich physikalisch am Laufen halten und daher zwar auch abhängig von der Tätigkeit eines „Schlipsträgers“ sind, bei dem es ihnen aber egal (oder sogar lieber) ist, wenn er gar nicht in der Nähe ist.

Natürlich gibt es auch Büromenschen, die mit dem ÖPNV und dem Rad unterwegs sind oder (unglaublich!) sogar Laufen.

Die Mehrheit der ÖPNV-Nutzer und Radfahrer sind jedoch dennoch jene, die die Arbeit physikalisch leisten… die unbedingt anwesend sein müssen und oft eben gar nicht mit dem Auto fahren.

HomeOffice-„Pflicht“

Lassen wir doch also jene Business-Menschen einfach dauerhaft zu Hause in ihren Einfamilienhäusern im Speckgürtel und gestalten wir die Zukunft nach dieser Krise mit einer Pflicht für die Unternehmen Arbeitsplätze bei denen Heimarbeit möglich ist, auch mit dieser Möglichkeit auszustatten!

Es gibt ja durchaus schon einige wenige Unternehmen, bei denen die Mitarbeiter wirklich nur ins Büro kommen, wenn es erforderlich ist.
Die Büros dieser Firmen sind, ganz im ökonomischen und ökologischen Sinne, gar nicht groß genug für alle Mitarbeiter.

Heimarbeit zu einem Recht zu machen, finde ich richtig. Ich halte eine Mischung für sinnvoll, also dass man ein bis zwei Tage zu Hause arbeitet, oder an einem dritten Ort, und sonst im Büro. Für Pendler fallen so 20 bis 40 Prozent der Arbeitswege weg.

Weert Canzler, Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Machen wir uns nichts vor: Der Auto-Verkehr nach der Corona-Krise wird, ohne hilfreiche Maßnahmen wie diese, zunehmen und zu einem Verkehrsinfarkt führen, da das Vertrauen in den ÖPNV erst wieder wachsen muss.
Also vor allem bei jenen, die ihn jetzt meiden.

Intelligente Maßnahmen jetzt

Mehr HomeOffice zu ermöglichen kann also ebenso wie permanent werdende PopUp-Bikelanes helfen, den Verkehr auch nach der Pandemie zu bändigen und gleichzeitig einen Beitrag zu der ja weiterhin bestehenden Klimakrise zu leisten.

Eine Rückkehr zur früheren „Normalität“ halte ich dagegen für eine irrsinnige Idee:
Wer von uns will denn das alles wirklich zurück haben?
Wir haben doch gerade bewiesen, dass es auch anders geht!

Die Welt bewegt sich

Gerade Deutschland tanzt noch immer viel zu sehr um das goldene Klab in Form des Automobils, während in anderen Ländern und Städten durchaus flottere und radikalere Maßnahmen einfach umgesetzt werden:

Seattle ist aktuell die nächste Stadt, die weitreichende Änderungen auch nach der Krise anstrebt:

Our rapid response to the challenges posed by COVID-19 have been transformative in a number of places across the city.
Some of the responses are going to be long lasting, and we need to continue to build out a transportation system that enables people of all ages and abilities to bike and walk across the city.

Director Sam Zimbabwe, Seattle Department of Transportation

Bei einer Stadt in den USA reden wir bei solchen Plänen wohl auch kaum von Auswüchsen einer „Öko-Diktatur“, wie sie hierzulande immer vorgebracht werden, wenn auch nur ein Parkplatz weichen soll.
Es scheint also vernünftig und von den Bürgern gewollt zu sein.

Es wird Zeit, dass auch wir wieder mehr wollen und fordern:
Mehr Sicherheit durch noch mehr Radwege, die auch permanent bleiben!

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

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