Lichter und Zeichen: Dinge von Bedeutung

Tut mir einen Gefallen: Erspart mir „vernünftige“ Begründungen für Ordnungswidrigkeiten und „ja aber die anderen…“-Kommentare zu Verkehrsregeln. Die Lichter und Zeichen am Rande einer Fahrbahn oder des Radwegs… beachtet sie einfach!

StVO nicht nur für Autos

Trotzdem die StVO erfunden wurde um zu vermeiden, dass Autofahrende weiterhin hemmungslos Menschen töten, gilt sie nicht nur für Autofahrende, sondern enthält nützliche Regeln für alle Verkehrsteilnehmer. Klingt komisch, ist aber so!

Diese bunten Lichter am Rande von Straßen sind keine reine Beleuchtung und die bunten Tafeln kein Streetart-Projekt eines ausgeflippten psychedelischen Künstlers: Sie sollen uns tatsächlich an Dinge gemahnen, die wir beachten sollten und zu realen Handlungen von Verkehrsteilnehmern führen.

In den letzten Jahren habe ich aber vermehrt das Gefühl, das diese Dinge von immer mehr Verkehrsteilnehmern schlicht ignoriert werden, auch weil eben kaum Sanktionen zu befürchten sind.

Zwar gehört in Berlin nur zu etwa 50% der Haushalte ein Auto, bundesweit gibt es aber geschätzt 75 Millionen Fahrräder.
Die Schnittmenge von Leuten die neben dem falsch geparkten Auto vor der Tür mindestens noch ein rostendes Fahrrad im Keller haben, ist also so groß, dass sich z.B. unter den Rot-Radlern ganz sicher eine ganze Menge Leute mit Führerschein (und Auto) befinden, ebenso wie sich (Auch-Mal-)Radfahrer hinter so manchem Radweg-Parker finden.

Alle zusammen finden sich dann auch in den Gruppen von auf Radwegen wandelnden Smombies und farbenblinden Fußgängern an Fußgängerampeln wieder, die letztlich sogar, dank der vereinten Power aller „Verkehrssünder“ die größte Gruppe der täglichen Rot-Missachter bilden.

Wer als Verkehrsteilnehmer noch nie eine rote Ampel ignoriert haben will, lügt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit.

Unser gemeinsames Glück ist, dass die meisten Verkehrsteilnehmer sich tatsächlich so gut sie können an die Regeln halten, sonst wäre das Chaos auf unseren Straßen unglaublich.

Schilder werden ignoriert

Heutzutage ist der durchschnittliche Autofahrende nicht mehr voll auf der Höhe des aktuellen Verkehrsgeschehens: Er vertraut blind dem „Navi“, textet mit dem/der Liebsten, telefoniert oder streamt Netflix mit dem Tablet auf dem Schoß ( habe ich mit eigenen Augen gesehen).

Gut zu sehen war das unter anderem an der Aussicht aus meinem Büro auf eine kleine Straße, die wegen einer Baumaßnahme zur Einbahnstraße umfunktioniert wurde: Selbst ein Jahr nach Einrichtung dieser Einbahnstraße wird nach wie vor ungeniert verkehrt herum dort durchgefahren. Ohne Zögern und Zaudern.
Die Beschilderung interessiert niemanden.

Auch die Anwohner in der Friedrich-Engels-Straße in Pankow, wohl die meisten selber Auto-Besitzer, ärgern sich zum einen über den Lärm, den die Autos auf einer maroden Straße verursachen und über die Autofahrer, die dort aufgestellt Geschwindigkeitsbegrenzungen schlicht ignorieren. Der Effekt ist gleich null.
Natürlich könnte die Planung der Straßen-Sanierung dort besser laufen, aber dass ist heute mal nicht das Thema.

Die Ossietzkystraße in Pankow ist inzwischen eine Fahrradstraße mit der Maßgabe nur noch durch Anlieger-Autoverkehr benutzt zu werden. Ansonsten gilt, was für Fahrradstraßen eben gilt:
Man beschimpft Radfahrende, drängelt und hupt und nutzt die Straße als Abkürzung.

Wer einfach nur vergessen hat, was das Verkehrszeichen Fahrradstraße bedeutet, dem wird übrigens mit Hilfe eines riesigen Schilds geholfen. Wichtigste Botschaft: Autofahrer sind willkommen. Als Gäste.

Autofahrer rebellieren gegen Pankows neue Fahrradstraße, Berliner Morgenpost

Hinterher wird dann wieder gemeckert, wenn Modal-Filter genau das eindämmen werden. Selbst Schuld!

Regeln werden ignoriert

Man fährt mit dem Rad jenseits des 10. Lebensjahrs und ohne ein solches Kind auf seinem eigenen Rad zu begleiten nicht auf dem Gehweg. Nein, Kind im Kindersitz gilt hier auch nicht!

Niemand wird schimpfen, wenn man die letzten 10 Meter von der Auffahrt zur Haustür noch vorsichtig über den Gehweg rollt, viel werden aber schimpfen wenn man viele hundert Meter dort entlang radelt (womöglich noch als Radweg-Geisterfahrer), weil man zu faul ist richtig zu fahren.

Niemand würde über einen einzelnen Radweg-/Falschparker schimpfen, wenn er tatsächlich „nur kurz“ eine Waschmaschine auslädt.
Viele schimpfen weil Autos in Grünanlagen, auf Gehwegen, auf Radwegen, mitten auf der Straße, direkt vor der Wohnungstür, auf Feuerwehr-Flächen, im 5-Meter-Bereich der Kreuzung und wo auch immer geparkt wird, weil der Autofahrende zu faul ist ein paar Schritte mit der Brötchentüte zu laufen.

Wo soll er denn parken? Nicht hier. Es gibt kein Recht auf einen Parkplatz.

Denkt mal nach…

Man stelle sich mal vor es ist Montag und alle Verkehrsteilnehmer würden sich buchstabengetreu und aufmerksam komplett an die Regeln halten:
Kein Gehupe, keine zugefahrenen Kreuzungen, artig Abstand zu den Radfahrern…
Was für eine Vorstellung!

Nein, liebe Autofahrende, für euch ist das keine gute Nachricht: Der Stau wäre noch immer da. Es gäbe noch weniger „Parkmöglichkeiten“ (weil nur die legalen erlaubt sind).
Ihr seid zu viele. Daran sind weder Radfahrer, Radwege, Fußgänger, Poller und Regeln Schuld. Nur ihr selbst.

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

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