Friedrichstraße: Aufgeschoben, nicht aufgehoben!

Eigentlich muss man es als Mensch der für die Verkehrswende streitet auch mal lobend anerkennen:
Bei vielen Projekten ist es mittlerweile nur noch eine Frage des Termins mit der Baufirma und nicht mehr die Frage ob es überhaupt jemals geschieht.

Etwas später als gewollt

Eigentlich sollte das Projekt schon früher starten, aber dank zahlreicher Arbeiten an PopUp-Radwegen und Straßenmarkierungen sind die Termine mit den wenigen Firmen, die sich mit diesen Belangen befassen, knapp geworden.

So geht es nun am 29.08. statt am 17.08. los… aber es geht auch los!

Die Markierungsarbeiten für den Radweg in der Mitte der Straße werden am 21.08. starten. Auf dieser Spur sollen sich auch Rettungsfahrzeuge durch die Straße bewegen können.
Der Lieferverkehr wird in die Nebenstraßen verlegt, gequert werden darf die Straße an der Kronenstraße von jeweils 5-11 und 17-21 Uhr.

Trotzdem eine knappe Mehrheit der Anrainer, allen voran das Kaufhaus Lafayette, für diesen Versuch gestimmt haben, gibt es nach wie vor kritische Stimmen.

So meint der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, dass die Kunden wegen des Radwegs in der Mitte keine ausreichende Möglichkeit hätten die Straßenseite zu wechseln.

Wo, lieber Herr Busch-Petersen, können die Kunden der Friedrichstraße es denn aber jetzt mit Autoverkehr?

Bäume, Pavillons und Cafés

Eine einfach leere Straße ist natürlich nicht Sinn der Sache und deshalb werden 65 „temporäre Bäume“ aufgestellt, die ihrerseites teilweise mit Sitzmöbeln ausgestattet werden sollen.

Sitzmöbel auf denen man verweilen kann ohne das gleich ein Kellner neben einem steht, sind übrigens das wichtigste Merkmal einer Straße überhaupt, die Menschen zum Flanieren und Verweilen anregen soll: Man muss sich ohne Konsumzwang auch einfach mal ausruhen können!

Natürlich aber bekommen auch Cafés und Restaurants die Möglichkeit mehr Tische und Stühle vor ihre Räume auf die Straße zu stellen und Geschäfte können ihre Waren in verglasten Pavillons auf der Fahrbahn anbieten.

Woran man allerdings nicht zu denken scheint sind zusätzliche Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, denn Radfahrer, die durch die Straße radeln, halten ja auch nur an und gehen ins Kaufhaus, wenn das Rad sicher abgestellt werden kann… vergessen oder denkt ihr noch dran?
Das sowas auch temporär möglich ist, beweist z.B. das Projekt FahrradGarderobe.

Problem: Langeweile in der Geschäftsstraße

Ein anderes Problem von innerstädtischen Geschäftsstraßen wird allerdings auch von den Handelsverbänden eher kaum beachtet:
Die Innenstädte und die Einkaufs-Zentren werden von vielen Menschen immer häufiger als langweilig empfunden, weil sie überall nur noch dieselben Geschäfte derselben großen Ketten vorfinden. Vielfalt verschwindet im Mainstream.

Wie eintönig die Innenstädte sind, zeigt ein beispielhafter Blick nach Stuttgart. In der 1,2 Kilometer langen Königstraße befinden sich drei H&M-Läden. Und in einem Abstand von weniger als jeweils zwei Kilometer können Kundinnen und Kunden drei Läden des Modekonzerns Desigual besuchen.

Innenstädte sterben: Die… , BusinessInsider

Wer meint, dass dies ein Einzelfall ist, rufe sich selbst mal im Kopfe eine beliebige Einkaufsstraße seiner Region auf:
Ich komme z.B. entlang der Schönhauser Allee zwischen Torstraße und Bornholmer Straße alleine auf drei Fillialen von Rossmann, dazu zweimal Budni und einen DM.

Das Problem der Innenstädte ist an dieser Stelle die fehlende Regulation von Gewerbemieten, die es für kleine Unternehmen völlig unmöglich macht in guten Lagen ein Ladengeschäft zu eröffnen.

Auch das ist sicherlich ein Problem der Friedrichstraße.
Auch das ist aber ein Problem, welches kaum durch mehr Autoverkehr in der Straße zu lösen ist, liebe Anrainer und Handelsverbände!

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

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