Autodrama: 4 Blocks

Der Clan der Radfahrer hat sich auf 500 m Friedrichstraße breit gemacht: Oppositionsparteien sehen den Untergang der Wirtschaft, Megastaus in der Stadt, fordern Tempolimits… aber nicht für Autofahrer!

Eine Durchfaht durch die autofreie Friedrichstraße

Zusammenbruch der Autowelt

Hört man den schimpfenden Oppositionsparteien und dem Handelsverband Berlin-Brandenburg zu, bricht durch eine Sperrung von 500 m Straße in der Mitte Berlins der gesamte Wirtschaftsverkehr der Region zusammen und Fußgänger sind nun dazu verdammt dazu auf Verkehrsinseln und Bürgersteigen auszuharren, weil sie nun dank „rasender“ Radfahrer gar nicht mehr die Straße überqueren können.

Erstmals höre ich die CDU nach Kontrollen eines Tempolimits rufen, aber damit ist natürlich nur der Radverkehr in der Friedrichstraße gemeint, nicht etwa allgemeine Kontrollen, die die braven Auto-Raser außerhalb dieser 500 m stören könnten.
Wie es Fußgänger vorher im Autoverkehr angeblich besser über die Straße geschafft zu haben scheinen, darüber wird gerne geschwiegen, der Feind wird aber gerne benannt:

Das eine Hauptverkehrsstraße auch keine Flaniermeile ist, wird gar nicht erst thematisiert.
Fragt man aber nach, was den Anliegerverbände und CDU/FDP an konkreten Vorschlägen für diesen Bereich gemacht haben, findet man, wie auch schon hier im Blog oft thematisiert, schlicht nichts als „anders“ oder „nicht so“.

Jahrelang Zeit hatten ja nun alle, die sich jetzt hier echauffieren…

Die Friedrichstaße wird somit zur ersten Fahrradstraße der Haupstadt, die diesen Namen auch verdient.
Dabei führt dieses Label in die Irre. Denn für die Fahrradfahrer dieser Stadt haben die paar hundert Meter keine praktische Relevanz. Da die restlichen zweieinhalb Kilometer der Magistrale autodominiertes Unding bleiben, werden sie die Friedrichstraße weiterhin meiden.

Ein Stoppschild für die Autonation, taz

Rettung der Wirtschaft

Ob eine autofreie Straße die anliegenden Gewerbetreibenden retten kann, muss sich erst noch zeigen.
Als erstes Zwischenergebnis bleibt zu sagen, dass die Straße mit einem Ruck wieder mehr im Licht der Öffentlichkeit steht und Menschen in die Straße strömen, die manchmal auch gar nicht anders hierher gekommen wären.

Was die Anlieger jetzt aus diesem Scheinwerferlicht machen, hängt auch ein bisschen von ihnen selbst ab, denn wer jetzt schmollend hinter seiner Schaufensterscheibe sitzen bleibt, dem wird kein Konzept der Welt helfen!

Es sind ja bald Wahlen

Es geht aber natürlich auch wieder auf ein Wahljahr zu und da gehört ja klappern zum guten Ton. Allerdings sollten FDP und CDU auch nicht denken, dass die Menschen bis dahin vergessen haben, wer über das Urteil zu den PopUps gejubelt und über die Friedrichstraße geschimpft hat… damit werden die eigenen Verkehrskonzepte nämlich deutlich unglaubwürdiger.

Berlin und seine Raser

Derweil ist man auch anderen „Flaniermeilen“ mitunter nicht mal auf dem Gehweg sicher davor von einem rasenden Autofahrer überfahren zu werden und einige davon begehen dann auch noch Fahrerflucht oder schützen plötzlich medizinische Gründe für ihre Raserei vor.
Wie sich angesichts dessen Parteien hinstellen können und 20 km/h für Radfahrende auf einer Strecke von vier Blocks zu schnell finden, während überall in der Stadt Autos mit 50 km/h durch T30-Zonen fahren, ist mir schleierhaft.
Ich hoffe auch ihr da draußen bemerkt und bewertet diese Ungerechtigkeit im Empfinden von Autofahrenden richtig und fallt auch weiterhin nicht auf diese hohlen Sprüche rein!

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

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